Workshop Hollywood Ron Bass und die Fabrik der geplatzten Träume

Einmal im Monat berichten Autoren und Regisseure, Agenten und Produzenten für SPIEGEL ONLINE von Hollywoods Projekten von morgen und übermorgen. Diesmal: Drehbuch-Profi Ron Bass.

Von Rüdiger Sturm


Spezialist für Romanverfilmungen: Ron Bass

Spezialist für Romanverfilmungen: Ron Bass

Ron Bass arbeitet in Hollywood, der Fabrik der geplatzten Träume. Aber immerhin wird er für jeden dieser Träume fürstlich bezahlt: Mit einem Honorar von zwei Millionen Dollar pro Drehbuchprojekt rangiert der 57-Jährige in der S-Klasse der Hollywood-Autoren. Vielleicht sind deshalb von ihm keine Klagen zu hören. Nicht darüber, dass Steven Spielberg sein Skript zu "Memoirs of a Geisha" jetzt von der "Batman Forever"-Autorin Akiva Goldsman umschreiben lässt, obwohl er vor zwei Jahren von der Bass-Fassung hellauf begeistert war. Er akzeptiert es auch, dass Regisseur Lasse Hallström nicht seine Version der "Schiffsmeldungen" mit Kevin Spacey verfilmt. Genauso wurde er auch bei Wolfgang Petersens Herzensstoff "Endurance" ersetzt. Alltag in Hollywood.

Auch die aktuellen Projekte des vielbeschäftigten Autors laufen vielleicht eines Tages ohne seinen Namen über die Leinwand. Doch ist diese Gefahr weitaus geringer als bei anderen, unbekannteren Drehbuchschreibern. Die Formel "written by Ron Bass" war in den vergangenen Jahren häufig genug in Vor- und Abspännen zu lesen. Sein größter Erfolg mit "Rain Man", für den er zusammen mit Barry Morrow den Oscar für das beste Originalskript erhielt, liegt zwar schon zwölf Jahre zurück, doch seine Trefferquote blieb hoch: Kassenschlager wie "Die Hochzeit meines besten Freundes" (1997) gehören ebenso dazu wie solide Hits à la "When a Man Loves a Woman" (1994) oder zuletzt "Verlockende Falle" (1999).

Deshalb erscheint es durchaus realistisch, dass in ein, zwei Jahren endlich seine Adaption von Marc Levys Roman "Solange du da bist" in den Kinos landet. Die metaphysische Romanze handelt von einer jungen Patientin, die aus einem Koma erwacht und sich in den Zwischenmieter ihres Apartments verliebt. Doch niemand außer ihrem Geliebten vermag sie wahrzunehmen, denn tatsächlich liegt ihr Körper weiterhin bewusstlos im Krankenhaus. Die Situation spitzt sich zu, als ihre Mutter, die alle Hoffnung auf Heilung aufgegeben hat, ihr eine tödliche Injektion verpassen lassen will. Spielbergs DreamWorks-Studio will den Film aus derzeitiger Sicht auf jeden Fall machen, sagt Bass hoffnungsfroh. Als möglicher Regisseur wird momentan P.J. Hogan ("Die Hochzeit meines besten Freundes") gehandelt. Doch die Dreharbeiten werden wohl erst nach dem zu befürchtenden Autoren- und Schauspielerstreik beginnen.

Erfolgreiches Bass-Skript: Catherine Zeta-Jones und Sean Connery in "Verlockende Falle"
DPA

Erfolgreiches Bass-Skript: Catherine Zeta-Jones und Sean Connery in "Verlockende Falle"

Für Romanverfilmungen wird Bass gerne gebucht. Erst vor wenigen Wochen erhielt er den Zuschlag für die Bearbeitung von Robert Mawsons Bestseller "Das Lazaruskind", zufälligerweise wiederum eine Geschichte mit einer Hauptperson, die im Koma liegt. Bereits weiter fortgeschritten ist die Arbeit an der romantischen Komödie "Headhunters", die ebenfalls auf einer Buchvorlage basiert: Drei Lehrerinnen aus New Jersey wollen in Monte Carlo auf den Putz hauen und geben sich als bekannte reiche Amerikanerinnen aus, denen sie halbwegs ähnlich sehen. Der Trick funktioniert, doch bald darauf werden die drei von einem Gigolo-Trio becirct, das es auf den - geliehenen - Schmuck der vermeintlich feinen Damen abgesehen hat.

Für Jeffrey Katzenberg entwickelte Bass unterdessen die Idee für einen Zeichentrickfilm: Das Geschehen in einer Zirkusmanege wird aus der Perspektive der Tiere gezeigt, die glauben, sie seien die Stars und die Menschen nur ihre Roadies. Gemeinsam mit dem trickfilmbewanderten DreamWorks-Boss hat er unlängst in Chicago einen Zirkus besucht, um sich inspirieren zu lassen.

Umschreiben und umgeschrieben werden gehört für Ron Bass zum täglichen Geschäft. Doch versucht er mit den Schriftstellern, deren Bücher er zu Filmskripten formt, sanft umzugehen. "Ich versuche, mit den Gefühlen des Autors sehr sensibel umzugehen", sagt er. Wenn er einen Autor, befreundet oder nicht, umschreiben soll, holt er sich zunächst dessen Okay, bevor er eingreift. Eine seltene Praxis. Einmal erfüllte sich ihm der Wunschtraum jedes Drehbuchschreibers: Bei der "Hochzeit meines besten Freundes" durfte kein Wort des Skripts ohne seine Zustimmung geändert werden. "Doch man kann einem Regisseur nichts aufzwingen, an das er nicht glaubt", sagt Vollprofi Bass. Deshalb setzte er sich mit P.J. Hogan zusammen, um gemeinsam Lösungen für die vom Regisseur bemängelten Szenen zu entwickeln. Heraus kam dabei unter anderem eine völlig neue Schluss-Sequenz. Dickköpfiges Beharren auf dem eigenen Werk bringt meistens nichts, hat Bass nach langen Jahren im Business gelernt.

Zwar sitzt er im Vorstand der Autorengewerkschaft, doch ist Bass viel zu pragmatisch, um aggressiv für Schreiberrechte zu agitieren. Immerhin war er jedoch einer der Drahtzieher des schlagzeilenträchtigen Deals, der Hollywoods Top-Autoren eine Beteiligung an den Bruttoeinnahmen ihrer Filme sicherte. Und sollte der stete Angebotsstrom einmal versiegen, gibt es für ihn immer noch ein kleines Hintertürchen: Während der Streikzeit im kommenden Sommer will er einen Roman über eine US-Regierung in einer Krisensituation schreiben. Manchmal möchte Bass, der vor seiner Drehbuchkarriere auch Romane verfasst hatte, nämlich einfach nur zu seinen Wurzeln zurückkehren.



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