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Neuer Film von Zach Braff: Erwachsenwerden ist schon schwer

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Ist Zach Braff ein One-Hit-Wonder als Regisseur? Zehn Jahre nach seinem gefeierten Debüt "Garden State" legt der "Scrubs"-Star mit "Wish I Was Here" seinen zweiten Spielfilm vor. Er spielt darin einen Vater, der selbst noch nicht erwachsen ist.

Zehn Jahre mussten Fans von Zach Braffs ziemlich großartigem Debütfilm "Garden State" auf einen Nachfolger warten. Dafür hat sich der 39-Jährige nach der langen Zeit dann aber auch gleich die ganz großen Themen vorgeknöpft: Wer bin ich? Was für ein Vater möchte ich sein? Was bedeutet der Tod? Drunter macht er's in "Wish I Was Here" nicht.

Alles beginnt mit einer Fantasy-Traumsequenz, ganz im Stile der Eskapaden, die man von Braff als J.D. in der Ärzte-Comedy "Scrubs" kennt. Als Aidan Bloom hastet er hier durch einen sommerlichen Wald, einen Verfolger im Kapuzengewand dicht auf den Fersen, bis ihn sein Sohn in die Realität des Waldspaziergangs zurückholt. Hier flüchtet ein Familienvater als Videospielfigur vor dem Ernst des Lebens, das ist sofort klar.

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Tragikomödie "Wish I Was Here": Vater auf Sinnsuche
Das klappt sogar ganz gut, solange Ehefrau Sarah (Kate Hudson) und die Kinder seine dahindümpelnde Karriere als Schauspieler mittragen. Als aber der Patriarch der jüdischen Familie (Mandy Patinkin) aufgrund seiner Krebserkrankung die finanzielle Belastung nicht mehr teilen kann, bricht das mühsam ausbalancierte Konstrukt zusammen. Also bleibt dem 35-jährigen Aidan nur wenig Zeit, erwachsen zu werden, mit seinem Vater ins Reine zu kommen, sich nebenbei mit seinem Judentum auseinanderzusetzen und die Beziehung zu seinem kleinen Bruder Noah zu reparieren.

Abstecher zur weltgrößten Nerdmesse

Und dazu kommt noch eine Tochter im Teenageralter, die auf den Spuren des Großvaters tiefreligiös werden möchte, und ein frecher Sohn, der mit der jüdischen Privatschule wenig anzufangen weiß. Weil ohne Großvater Sauls Hilfe das Schulgeld zu teuer ist, versucht sich Aidan als Hauslehrer seiner Kinder. Ziemlich viele Baustellen auf einmal, die Braff sich selbst als Hauptdarsteller da zumutet.

Nachdem der "Scrubs"-Star neben seiner Fernsehkarriere in einigen mittelmäßigen und auch mittelmäßig erfolgreichen Romcoms den immer gleichen Typus des Ewigen Twens verkörperte, hätte man sich in seiner zweiten eigenen Regiearbeit mehr erhofft. Mehr als einen gefälligen (wenn auch nicht mehr wie in "Garden State" stilprägenden) Soundtrack, mehr als ein paar bessere Kalenderlebensweisheiten in wohlige Bilder verschnürt.

Doch "Wish I Was Here" ist lediglich eine bereits aus allerlei Perspektiven beleuchtete Coming-of-Age-Geschichte mit einer upgedateten Videoästhetik von Super Slo-Mo bis Instagram-Weichzeichner. Ein paar bekannte Gesichter gibt's dazu, Donald Faison, der beste Doktorkumpel aus "Scrubs", ist dabei, Jim Parsons ("Big Bang Theory") hat einen Kurzauftritt als arbeitsloser Schauspieler. Und ein Händchen für absurde Szenarien besitzt Braff ja schon. Die Sinnsuche führt Aidan und seine Familie in Perückengeschäfte, die örtliche Synagoge, die kalifornische Wüste und zur weltgrößten Nerdmesse, der Comic Con.

Schwere Themen mit abstrusem Humor

Eines muss man Braff ebenfalls nach wie vor attestieren: Die Leichtigkeit und das humoristische Timing, mit denen er als Schauspieler, aber auch als Regisseur durch die eigentlich zutiefst traurigen Szenen um die Erkrankung des Vaters manövriert, macht ihm so schnell keiner nach. Da haben sich die vielen Jahre im Scrubsschen "Sacred Hearts"-Krankenhaus bezahlt gemacht. Es war eine Charaktereigenschaft der Serie, immer wieder schwere Themen mit abstrusem Humor aufzugreifen und dabei selten den Ton zu verfehlen. Mit seinem Co-Autor und Bruder Adam, der sonst Drehbücher fürs Fernsehen schreibt, findet Zach Braff auch hier meistens die Balance zwischen Albernheit und Seriosität.

Am Ende steht dann aber doch eine ziemlich klassische Komödie, die sich zu Recht der umfassenden Kritik im Vorfeld stellen muss, warum ausgerechnet hier Crowdfunding eingesetzt werden musste, um so ein gefälliges Unterhaltungskino zu produzieren. Denn der millionenschwere Fernsehstar machte sich mit seiner Onlinefinanzierung in der ihm sonst wohlgesonnenen Indiefilm-Szene keine Freunde, das Resultat dürfte die Kritiker jetzt bestätigen. Auch an der Kinokasse lief es eher gemächlich, bisher sind in den USA noch nicht einmal die Produktionskosten wieder eingespielt.

Während "Garden State" auch deshalb Kultstatus erreichte, weil es ein treffendes Porträt einer orientierungslosen Generation war, ist bei "Wish I Was Here" vor allem die Orientierungslosigkeit hinter der Kamera zu spüren. Ob der fantastische Komödiant Zach Braff als Regisseur ein One-Hit-Wonder bleibt? Auch zehn Jahre nach "Garden State" bleibt diese Frage offen.

Wish I was here

USA 2014

Regie: Zach Braff

Drehbuch: Zach Braff, Adam J. Braff

Darsteller: Zach Braff, Kate Hudson, Joey King, Pierce Gagnon, Mandy Patinkin, Josh Gad, Ashley Greene, Jim Parsons

Produktion: Worldview Entertainment, Double Feature Films

Verleih: Wild Bunch Germany

Länge: 120 Minuten

Start: 9. Oktober 2014

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