"Zoolander 2" Schön. Blöd.

Anna Wintour, Sting, MC Hammer: "Zoolander 2" versammelt ganz selbstverständlich illustre Stars. Mit seiner anarchischen Komödie zeigt Ben Stiller, dass beglückende Sinnfreiheit nie aus der Mode kommt.

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Früh in "Zoolander 2" fällt eine der wahrhaftigsten Zuneigungsbekundungen der jüngsten Filmgeschichte. Sie kommt von Co-Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Ben Stiller, der als gealtertes Top-Model Derek Zoolander gegenüber seinem lange nicht gesehenen Catwalk-Kollegen Hansel McDonald (Owen Wilson) bekennt: "I miss not knowing things with you".

So viel Liebe, so wenig Verstand: Es ist diese entwaffnende Ahnungs- und Arglosigkeit ihrer Figuren, die Stiller und Wilson schon in "Zoolander" (2001) zu einem eigentümlich rührenden Traumpaar der Klamotte machte.

Fünfzehn Jahre später lässt Stiller die Fashion-Fossile Zoolander und Hansel zurück ins Rampenlicht straucheln, natürlich um erneut die Welt zu retten, aber auch um ihr zu beweisen, dass beglückende, anarchische Sinnfreiheit nie aus der Mode kommt.

Ein sensationelles Comeback setzt indes den vorherigen Absturz voraus, und Derek Zoolander ist besonders tief gefallen. Tragisch verwitwet und des Sorgerechts für seinen Sohn Derek jr. (Cyrus Arnold) beraubt, lebt er als Eremit im unwirtlichen New Jersey. Bis in einer Winternacht der Postbote des Schicksals an Zoolanders Tür klopft und ihn sowie die chiffondünne Handlung in Wallung bringt. Denn während seines Exils fallen weltweit attraktive Popstars mysteriösen Attentaten zum Opfer, wobei allen gemein ist, dass sie im letzten Atemzug ein Selfie mit patentierter Zoolander-Gesichtsmimik absetzen.

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"Zoolander 2": Schön. Blöd.
Zuletzt erwischte es so Justin Bieber in Rom, und passenderweise bekommt der einstige Trendsetter Zoolander nun Post von Modezarin Alexanya Atoz (Kristin Wiig in bizarrer Silikon-Camouflage), die ihn überraschend für eine Show in der ewigen Stadt buchen will. Ausgerechnet dort besucht zudem Zoolanders entfremdeter Sprössling ein Internat, weshalb spätestens jetzt jeder eine Verschwörung wittern würde, nur eben nicht der erkenntnisresistente Schöpfer des legendären "Magnum"-Blicks.

Er ist ein Model und er sieht alt aus

In Rom kommt es zur Wiedervereinigung zwischen Zoolander und dem gleichfalls aus dem Ruhestand geköderten Hansel, der vor allem froh ist, seine plötzlich emotional fordernde Sex-Kommune hinter sich lassen zu können. Doch die Freude währt nicht lange, denn der vermeintliche Starauftritt bei der Modenschau entpuppt sich als zynische Vorführung der abgewirtschafteten Model-Helden, die vom Publikum als alt und lahm verlacht werden. Nicht von ungefähr, wenn sie sich in der Ära schnieker Smartphones trotzig an winzige Klapphandys mit Ausziehantenne klammern, die so putzig und tragisch anachronistisch sind wie sie selbst.

Bühne und Zukunft gehören stattdessen "All", einem mindestens androgynen Laufstegwesen, das Besetzungscoup Benedict Cumberbatch mit der bezaubernden Arroganz eines extrem gelangweilten Außerirdischen verkörpert.

Kein bisschen besser läuft Zoolanders ungelenker Versuch, seinen enttäuschten Sohn für sich zu gewinnen. Als intelligenter, pummeliger, wütender, also ziemlich normaler Teenager prangert Derek jr. zu Recht die manische Ich-Bezogenheit seines Erzeugers an, der daraufhin vollends gebrochen und verloren scheint.

Aber dann tritt die forsche Interpol-Beamtin Melanie Valentina (Penélope Cruz) auf den Plan, die sich von Zoolander und Hansel Hilfe bei ihren Ermittlungen zur anhaltenden Attentatsserie erhofft. Gemeinsam kommen sie einem angemessen irrwitzigen Komplott auf die Spur, was Derek jr. in höchste Gefahr bringt und somit seinem Vater die größtmögliche Bewährungsprobe beschert.

Hedonisten der Herzen

Im folgenden Kampf gegen das mannigfaltige Böse schlägt der richtige Look verlässlich jedwede Logik, und in seiner exaltierten Nummernrevue türmt Stiller ungeniert billigste Wegwerfwitze, brillante visuelle Pointen und reichlich Popkultur-Zitate von Dan-Brown-mäßigem Prophezeiungsgehuber bis hin zu "Star Wars" ("Hansel, I am your father!") aufeinander. Obendrein bietet "Zoolander 2" Gelegenheit für absurd viele prominente Gastauftritte, und wohl kein anderer Film könnte derart selbstverständlich so diverses Personal wie etwa Vogue-Ikone Anna Wintour, Sting und MC Hammer höchstpersönlich unter einen feschen Hut bringen.

Das selbstironische Schaulaufen der Stars ist auch ein Liebesbeweis für Stillers Kunstfigur Derek Zoolander, die in ihrer radikalkomödiantischen Zuspitzung vielleicht nur mit Will Ferrells ähnlich kultisch verehrtem Nachrichtensprecher Ron Burgundy aus den "Anchorman"-Filmen vergleichbar ist. Ferrell kommt es denn auch sinnigerweise zu, wie bereits in "Zoolander" und mit gewohntem Gusto die Rolle des wahnsinnigen Designer-Schurken Jacobim Mugatu auszufüllen.

Doch so schrill und befreiend unsinnig das Universum von Zoolander und Hansel sein mag, ihr naiver Hedonismus beschädigt nie ihre ureigene Unschuld - selbst wenn es um Orgien mit Willie Nelson oder die ungewollte Schwangerschaft von Kiefer Sutherland geht. Darum gerät die Herzensbildung, die Stillers Film den beiden schönen Simpeln verordnet, erstaunlich schlüssig. Denn wie sogar Derek Zoolander schließlich begreift, steht es jedem gut, hinter täuschenden Oberflächen das aufrichtige Gefühl zu entdecken. Dazu reicht ein Erbsenhirn, wenn man denn ein Herz aus Gold hat.

Damit zeigt sich "Zoolander 2" im Kern tatsächlich der Haute Couture verwandt, quasi als cineastische Antithese zur schrecklich(en) praktischen Funktionskleidung: ohne schnöden Zweck, nur dem puren Spiel verpflichtet, eigentlich untragbar und genau deshalb unwiderstehlich.

Im Video: Der Trailer zu "Zoolander 2"

Zoolander 2

USA 2016

Regie: Ben Stiller

Drehbuch: Justin Theroux, Nicholas Stoller, Ben Stiller, John Hamburg

Darsteller: Ben Stiller, Owen Wilson, Penélope Cruz, Kristen Wiig

Produktion: Clayton Townsend, Stuart Cornfeld, Ben Stiller, Scott Rudin

Verleih: Paramount

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Start: 18. Februar 2016

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insgesamt 9 Beiträge
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banalitäter 17.02.2016
1. Schön blöd stimmt genau .
Schon der erste Film war grottenschlecht - keine Satire , sondern ein heisser Kandidat für die Goldene Himbeere ( ein Preis f den schlechtesten Film ) . Ich kann mir nicht vorstellen , das Teil 2 besser sein wird .
a-mole 17.02.2016
2.
hat der Autor den Film eigentlich auf Deutsch oder English geschaut? Zoolander 1 auf Deutsch ist ja ne reine 0Nummer... anders als im Original. Bei Teil 2 sicher genauso.
CharlieBrown8 17.02.2016
3. Zoolander fan
Der erste Zoolander war genial, und wurde zu Recht zu einem inoffiziellen Klassiker. Ben Stiller hat einen ganz eigenen Humor (zuvor schon excellent demonstriert in "What about Mary?"), den man halt moegen muss. Fuer die einen grenzwertig und debil (=schlecht), fuer die anderen regelbrechend mit Mut zur surrealen Albernheit (=genial). Hab den zweiten Film noch nicht gesehen, und laut Kritiken ist er wohl auch nicht so gut wie der erste. Wer also den ersten schon nicht mochte, sollte wohl draussen bleiben. Wer mit Ben Stiller Humor was anfangen kann wird wohl auch hier seinen Spass haben.
stromberg1974 17.02.2016
4. Blue steel
Zoolander ist absoluter Kult. Blue steel und magnum haben mir geholfen hunderte Frauen flachzulegen. Teil zwei war überfällig, ich freue mich.
keysgirl 18.02.2016
5. Verrückt nach Mary
ist nur mit, nicht von, Ben Stiller. Es handelt sich also um den Humor der Farrelly Brüder. Übrigens, den Film mit Kommentaren ansehen lohnt sehr!
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