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Zum Tod von Christopher Reeve: Ein Held, auch jenseits der Leinwand

Er flog als Weltenretter durch die Lüfte und gab jener Figur Gestalt, die zu den größten Mythen der populären Kultur zählt: Christopher Reeve war Superman. Nach einem tragischen Reitunfall querschnittgelähmt, kämpfte der Star fortan für die Rechte von Behinderten - und wurde zum Helden sozialen Engagements.



Hollywood-Star Christopher Reeve (im Dezember 1999): "Lassen Sie uns weiterhin Risiken eingehen"
DPA

Hollywood-Star Christopher Reeve (im Dezember 1999): "Lassen Sie uns weiterhin Risiken eingehen"

Christopher Reeve war Superman in dem Sinne wie Sean Connery James Bond oder Marlon Brando der Pate war - ein Darsteller, der ganz mit seiner Figur verschmolz, ein Gesicht, das zur Ikone wurde. 1995 setzte ein Reitunfall seiner Darstellerkarriere ein vorerst jähes Ende. Reeve brach sich den Hals und war fortan vom Nacken bis zur Fußspitze gelähmt.

Doch der 1952 geborene New Yorker gab nicht auf und entwickelte jenseits der Leinwand ein wahrhaft heldenhaftes Engagement. So kämpfte Reeve für die Ausweitung der Stammzellenforschung, die nach seiner Überzeugung Querschnittslähmung würde heilen können. Er gründete eine Paralyse-Stiftung und trat weltweit als Redner auf, um Betroffenen Mut zu machen.

Dem Kampf gegen die Behinderung ging Reeve selbst mit heldenhafter Tapferkeit voran. Mit einem strengen Übungsprogramm kam der Star in Armen und Beinen wieder zu Kräften und lernte sogar, stundenweise ohne Gerät allein zu atmen. Eine Elektroschocktherapie schließlich ermöglichte ihm, die Finger seiner linken Hand und die Zehen an beiden Füßen zu bewegen. Am Ende sei er in der Lage gewesen, Berührungen wahrzunehmen und Wärme und Kälte zu unterscheiden. "In der Lage zu sein, eine leichte Berührung zu spüren, ist ein solches Geschenk", erklärte Reeve dem US-Magazin "People".

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Zum Tod von Christopher Reeve: Ein Held, auch jenseits der Leinwand

Mit 50 hatte er wieder gehen wollen - ein Traum, der sich dem engagierten Star nicht erfüllte. Dennoch kämpfte Reeve weiter: "Auch wenn mein Körper nicht mehr so funktioniert wie früher - Herz, Verstand und Seele sind davon nicht beeinträchtigt", erklärte der Schauspieler einmal. Seinen enormen Überlebenswillen dokumentierte Reeve auch mit einem Buch. Vielsagender Titel: "Nichts ist unmöglich. Reflexionen über ein neues Leben".

Die Rolle des Superman, dazu enorme Tapferkeit und umfassendes Engagement prädestinierten Reeve zur kulturellen Leitfigur. Erst am vergangenen Freitag rühmte John Kerry beim zweiten Rededuell zur US-Präsidentschaftswahl Reeve als seinen Freund und Helden. Als Künstler allerdings beeinträchtigte der Riesenerfolg des Heldenparts den Darsteller. Die vier Superman-Filme zementierten das Bild vom markanten Schönling, der im blau-roten Dress durch die Lüfte saust, ansonsten aber nicht viel zu bieten hat.

Dabei war Reeve als Schauspieler durchaus vielseitig, Filme wie "Das Mörderspiel" (1982), "Glitzernder Asphalt" (1987), "Was vom Tage übrig blieb" (1993) oder die Politkomödie "Sprachlos" (1994) stellen dies eindrucksvoll unter Beweis. 1997 führte er sogar Regie ("In der Abenddämmerung"), 2002 feierte er ein Comeback als Darsteller im TV-Remake von Alfred Hitchcocks Thriller "Das Fenster zum Hof". In der US-Fernsehserie "Smallville" verkörperte er einen geheimnisvollen Wissenschaftler im Rollstuhl, der dem jungen Superman mit väterlichem Rat zur Seite steht.

Christopher Reeve kann in der Glitzerwelt der Traumfabrik als eine tatsächlich heroische Ausnahmeerscheinung gelten. Statt sich zurückzuziehen, engagierte sich der Darsteller in einem Milieu, dessen Helden meist dem marktgängigen Zuschnitt von Schönheit und Attraktivität entsprechen. Legendär sein Auftritt bei der Oscar-Preisverleihung im März 1996. "Lassen Sie uns weiterhin Risiken eingehen und heiße Themen angehen", erklärte der gelähmte Darsteller damals. "Es gibt keine Herausforderung, egal welcher Art, die wir nicht annehmen könnten."

Christopher Reeve erlitt am vergangenen Samstag überraschend einen Herzstillstand und fiel anschließend ins Koma. Er starb gestern in seinem Haus in New York.

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