Zum Tode O.W. Fischers Bilder einer Wirtschaftswunder-Karriere

Der Schauspieler O.W. Fischer ist im Alter von 88 Jahren in der Schweiz gestorben. Fischer wurde in den fünfziger Jahren mit Filmen wie "Peter Voß, der Millionendieb" und "Es muss nicht immer Kaviar sein" zum Frauenschwarm und höchstbezahlten Kinostar der Wirtschaftswunderzeit.


Schauspieler Fischer: Star des Wirtschaftswunderkinos
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Schauspieler Fischer: Star des Wirtschaftswunderkinos

Frankfurt/Main - Mit O.W. Fischer verliert der deutschsprachige Film einen seiner einstmals populärsten männlichen Leinwandstar. In Otto Wilhelm Fischers großen Erfolgsjahren zwischen 1950 und 1963 lagen Maria Schell wie Ruth Leuwerik in seinen Armen, und das Publikum lag dem gut aussehenden Kinohelden zu Füßen. Sein Name allein garantierte damals volle Kassen, denn die Massen strömten in Filme wie "Herrscher ohne Krone", "Peter Voß, der Millionendieb" oder "Helden".

Der am 1. April 1915 in Klosterneuburg bei Wien geborene Schauspieler hatte sich schon vor mehr als drei Jahrzehnten von der Leinwand zurückgezogen, die er lange dominiert hatte. Für einen vom alten Schlag wie ihn gab es spätestens 1970 keine geeigneten Rollen mehr, auch wenn es an Angeboten für neue Filme gewiss nicht mangelte. Aber ein intelligenter Mann wie Fischer erkannte bereits Anfang der sechziger Jahre, dass seine Glanzzeit ebenso vorbei war wie die des deutschen Nachkriegsfilms. Dem Fernsehen konnte der Mann mit den strahlend blauen Augen nicht viel mehr als vereinzelte Arbeiten abgewinnen. Legendär aber wurden seine späten Auftritte in Talkshows.

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O.W. Fischer: Bilder einer Wirtschaftswunder-Legende
Denn in diesen präsentierte sich der Schauspieler, der seine Kunst von der Pike auf gelernt hatte, als Esoteriker, der sich für metaphysische Phänomene, Philosophie, Religionen und vor allem für seine geliebten Katzen viel mehr interessierte als fürs Filmgeschäft mit all seiner glamourhaften Oberflächlichkeit. Der "begnadete Selbstdarsteller", wie er nicht ohne Grund charakterisiert wurde, entwickelte im letzten Lebensabschnitt einige Schrulligkeiten: So verwahrte er die Asche seiner verstorbenen Frau Nanni in einer Urne neben seinem Bett auf, seinen toten Lieblingskater Poldi ließ er sogar in einem Glaswürfel einschweißen, ferner entwickelte er eine "Allhypnose"-Theorie.

Dieser zufolge soll das Leben der Menschen nur ein im Trancezustand wahrgenommener Traum sein. Von Träumen verstand O.W. Fischer schließlich etwas, denn im Kino war er in den zwei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg der gefragteste Star der einheimischen Traumfabriken. Dass er mal mit der temperamentvollen Schell, mal mit der stillen Leuwerik das Traumpaar jener Zeit bildete, vermag nicht allein seine besondere Wirkung aufs Publikum erklären. Die lag vielmehr in der unverwechselbaren Gestaltung aller von ihm gespielten Figuren. Fischers Vorliebe für grüblerische oder dämonische Gestalten wie den tragikumwobenen Bayernkönig Ludwig II. oder den Hellseher "Hanussen" faszinierten Kinobesucher wie Kritiker.

Altstar Fischer (1996): Schrulligkeiten in der Zurückgezogenheit
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Altstar Fischer (1996): Schrulligkeiten in der Zurückgezogenheit

Fischer war gleichwohl auch ein brillanter Komödiant, wie er in seinen komischen Paraderollen in "Peter Voß, der Millionendieb" oder unvergesslich als Leutnant Bluntschli in "Helden" unter Beweis stellte. Ein Abstecher nach Hollywood geriet indes zum Reinfall, dem Vertrag dort über zwei Produktionen entkam er mit einer schweren Erkrankung, die zweifellos psychische Ursachen hatte.

Die schönsten Frauen umschwärmten den Schauspieler, doch im privaten Leben führte "O.W.", wie ihn seine Fans nur nannten, eine langjährige und skandalfreie Ehe mit einer Prager Schauspielerin, mit der er von der Heirat 1942 bis zu ihrem Tod 1985 kinderlos zusammenlebte. Seit 1960 lebte das Paar am Luganer See in der Tessiner Residenz Castello dei Pescatori, die auch als "Fischerschlösschen" bekannt wurde.

In den allerletzten Jahren war es sehr still um den einstigen Filmstar geworden. Im Sommer vergangenen Jahres hatte Fischer in einem Interview erklärt, dass er sich erschöpft und müde fühle: "Zeit wird's, dass der liebe Gott nun auch mich abberuft". Der Wunsch ist ihm jetzt erfüllt worden. Aber in seinen schönsten Filmen wird O.W. Fischer noch ein langes Nachleben beschieden sein. O.W. Fischer starb am Sonntagabend in einem Krankenhaus im schweizerischen Lugano an Herzversagen.

Wolfgang Hübner, AP



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