"Zur Sache Schätzchen"-Produzent: Deutscher Filmpionier Peter Schamoni ist tot

Er war einer der Unterzeichner des "Oberhausener Manifests", das Papas Kino für erledigt erklärte. Peter Schamoni gehörte in den sechziger Jahren zur Riege junger Kreativer, die den deutschen Film neu erfanden. Jetzt starb der 77-Jährige in München nach kurzer, schwerer Krankheit.

Vielfach ausgezeichnet: Peter Schamoni bei einer Pressekonferenz im Jahre 2009 Zur Großansicht
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Vielfach ausgezeichnet: Peter Schamoni bei einer Pressekonferenz im Jahre 2009

"Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen." So endete das Manifest, mit dem eine Gruppe junger deutscher Filmemacher bei den Kurzfilmtagen von Oberhausen 1962 einen neuen deutschen Film forderte, der Schluss machen sollte mit den Heimatfilmen und Klamotten, die die Nachkriegsproduktion prägten. Einer der Unterzeichner war Peter Schamoni.

Mit dem Film "Schonzeit für Füchse" setzte Schamoni die Forderungen 1965 praktisch um. Die Verfilmung eines Romans von Günter Seuren wurde mit einem Silbernen Bären bei der Berlinale und drei Bundesfilmpreisen ausgezeichnet. Neben weiteren Spielfilmen wie "Potato Fritz" (1975) oder "Frühlingssinfonie" (1983) drehte Peter Schamoni auch zahlreiche Dokumentarfilme über Künstler wie Max Ernst, Niki de Saint-Phalle oder Friedensreich Hundertwasser. Für letzteren, "Hundertwassers Regentag", erhielt er 1973 eine Oscar-Nominierung.

Als Produzent bekannt wurde Schamoni 1968 mit der Komödie "Zur Sache Schätzchen" (1968) mit Uschi Glas in der Hauptrolle. Insgesamt umfasst das Werk des Autors, Regisseurs und Produzenten mehr als 30 Spiel- und Dokumentarfilme. Am 16. Januar 2009 erhielt er beim Bayerischen Filmpreis den Ehrenpreis für sein Lebenswerk.

Am Dienstagvormittag starb Schamoni im Alter von 77 Jahren in München, wie sein langjähriger Mitarbeiter und Freund Konrad Hirsch der Agentur dapd bestätigte. Schamoni habe zwei Wochen lang in einem Münchner Krankenhaus gelegen, hieß es. Er habe an Bauchspeicheldrüsenkrebs gelitten und erst an Ostern davon erfahren, sagte seine langjährige frühere Lebensgefährtin Anja Jungclaus der dpa. "Es war eine sehr heftige und plötzliche Diagnose."

Schamoni sei bis zum letzten Moment noch mit Projekten beschäftigt gewesen. Zuletzt hatte er damit begonnen, für ein Filmprojekt seine Familiengeschichte zu erforschen. "Im Nachhinein denkt man dann natürlich, dass da schon etwas getickt hat in ihm", sagte Jungclaus. Schamoni soll voraussichtlich in der kommenden Woche in Seeshaupt am Starnberger See beigesetzt werden, ein Datum steht aber noch nicht fest.

Der bayerische Medienminister Marcel Huber (CSU) würdigte Schamoni am Dienstagabend als Ausnahmeerscheinung des deutschen und internationalen Films: "Peter Schamoni hat mit seinem umfangreichen und vielseitigen Wirken und seiner klaren Handschrift Filmgeschichte geschrieben. Schamoni beherrschte das Genre des Spielfilms und des Dokumentarfilms gleichermaßen - eine große Leistung, die nur wenige Könner für sich in Anspruch nehmen können."

feb/dpa/dapd

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1.
Originalaufnahme 14.06.2011
Zitat von sysopEr war einer der Unterzeichner des "Oberhausener Manifests", das Papas Kino für erledigt erklärte. Peter Schamoni gehörte in den sechziger Jahren zur Riege junger Kreativer, die*den deutschen Film neu erfanden. Jetzt starb der 77-Jährige in München nach kurzer, schwerer Krankheit. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,768422,00.html
Das Thema "Neuer Deutscher Filme" scheint wohl, damals wie heute, niemanden zu interessieren. Und vonwegen "erledigt". Wer geniesst nicht lieber einen unterhaltsamen Edgar-Wallace- oder Mabuse-Film aus Uropas Kinos Zeiten statt so einen moralinsauren Mumpitz. Abgesehen von der meist voellig unzureichenden Bild- und Tongestaltung, die fuer mich zu den Hauptmerkmalen der meisten selbsternannten "Jungfilmer" zaehlt. Wenn Quentin Tarantino in Berlin den international geachteten Wallace-Regisseur Alfred Vohrer erwaehnt, wissen deutsche Journalisten nicht, von wem die Rede ist. In diesem Zusammenhang ist es nur traurig, dass viele wahre Publikumslieblinge und -regisseure gar keine Erwaehnung finden.
2. mag sein...
hemshoefer 14.06.2011
Zitat von OriginalaufnahmeDas Thema "Neuer Deutscher Filme" scheint wohl, damals wie heute, niemanden zu interessieren. Und vonwegen "erledigt". Wer geniesst nicht lieber einen unterhaltsamen Edgar-Wallace- oder Mabuse-Film aus Uropas Kinos Zeiten statt so einen moralinsauren Mumpitz. Abgesehen von der meist voellig unzureichenden Bild- und Tongestaltung, die fuer mich zu den Hauptmerkmalen der meisten selbsternannten "Jungfilmer" zaehlt. Wenn Quentin Tarantino in Berlin den international geachteten Wallace-Regisseur Alfred Vohrer erwaehnt, wissen deutsche Journalisten nicht, von wem die Rede ist. In diesem Zusammenhang ist es nur traurig, dass viele wahre Publikumslieblinge und -regisseure gar keine Erwaehnung finden.
....aber ist diese Meldung der richtige Platz oder wäre nicht eher Pietät angebracht ?
3. Vorsicht, nie wieder auf Tarantino hören !
j.wilhelm 14.06.2011
Zitat von OriginalaufnahmeWer geniesst nicht lieber einen unterhaltsamen Edgar-Wallace- oder Mabuse-Film aus Uropas Kinos Zeiten statt so einen moralinsauren Mumpitz...
So ein Quatsch ! Natürlich gibt es Leute, die sich für "Jungfilmer" interessieren, damals wie heute. Ausserdem hatten sich Jungfilmer in dieser Zeit nicht gegen das Unterhaltungskino der 60iger à la Edgar Wallace gerichtet, sondern primär gegen das Heimatfilmkino der 50iger à la Sissi, Schwarzwaldmädel & Co. Man kann in Schamoni-, Wenders-, Fassbinder- oder auch in Bergman-Filme eine Zeitlang abtauchen und sie lieben für ihre eigentümliche Welt und ihren Versuch, die Welt abzubilden, ebenso wie man sich einen Wallace- oder Bondfilm reinziehen kann, der eben in eine andere Illusion verführt. Das Gehacke auf diesem oder jenem Filmgeschmack und den dazugehörigen Regisseuren nervt. Gott sei Dank ist das Filmleben bunt genug und es gibt von allem was. Tarantino hatte Mitte der Neuniger einen fast unbekannten Film hochgelobt. Die Werbung sprang natürlich gleich auf seine Bemerkungen und druckte sie auf dem Plakat. Welcher das war ? Weiss ich nicht mehr ! Er war wohl ziemlich unbedeutend, ich in einer anderen Phase, und die Masse der Kinogänger wohl auch. Als "moralinsauren Mumpitz" aber kanzeln hauptsächlich diejenigen Filme ab, die sich erst sicher fühlen, wenn auch der letzte Kumpel um die Ecke einen Streifen validiert. Aber auch bei den Zuschauern gibt's halt von allem was.
4. Filmpionier?
firem 14.06.2011
Na, ist der denn wirklich so alt? So um 120. Dann war er 25, als er seinen ersten Stummfilm mit Pola Negri drehte.
5. Danke. Peter Schamoni
Lint 15.06.2011
Peter Schamoni wird immer in guter Erinnerung bleiben fuer seinen Einblick in seine Familiengeschichte, seine sprachliche Logik und seinen Humor, dargeboten in dem Fernsehfilm 'Neues aus der alten Heimat' von 1984. Es machte mir seine Filme zugaenglicher und verstaendlicher.
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