Es muss einfach sein, George Clooney zu spielen. Ein Vergnügen natürlich auch. Du fliegst nach Como oder New York im eigenen Jet, du lächelst im Licht der Scheinwerfer und sagst einen schlauen Satz, und schon kreischen sie wieder.
Du könntest jetzt wählen zwischen den Mädchen, falls du wählen wolltest, verziehen wird dir sowieso alles, weil du der letzte Filmstar bist, wie "Time" schrieb, du bist "the sexiest man alive", wie sie alle schrieben.
Aber Clooney sieht blass aus. Klein sind die braunen Augen. Krumm ist der Rücken. Clooney trägt blaue Levi's, ein schwarzes T-Shirt, darüber ein schwarzes Sweatshirt mit Reißverschluss, es kommt da ein kleiner Mann ins Zimmer, der sagt: "Großartig, euch endlich zu sehen."
Dies ist der Moment seiner Verwandlung. Zwölf Journalisten aus zwölf Ländern sitzen an drei Seiten eines länglichen Tisches im Four Seasons Hotel von Beverly Hills, zweite Etage, Gabeln fallen in Obstsalate, Diktiergeräte laufen schon, Clooney begrüßt jede und jeden im Raum. Er blickt alle an, lächelt, aus Handschlägen werden Umarmungen, er grüßt wie Bill Clinton: Seine Hände legt er auf Unterarme und Schultern, stets schafft er Nähe. "Hey", sagt er, es klingt überrascht und schwer erfreut.
25 Minuten mit George Clooney. Es ist die erste von mehreren Begegnungen mit dem größten Helden Hollywoods, aber es wird nicht wirklich ein Interview. Die Journalisten haben sich eine Struktur überlegt für das Gespräch, aber dann fragt der Spanier nach Darfur und die Französin nach Clooneys Freundin oder Ex-Freundin, man weiß ja nie so genau bei ihm, und der Brite fragt nach Gerüchten über eine Rückkehr zur Fernsehserie "Emergency Room"; der Japaner würde gern fragen, ob Clooney schwul ist, aber er traut sich nicht, und nur die Brasilianerin fragt nach dem Film "Ein verlockendes Spiel", der der Grund dafür ist, dass wir 25 Minuten lang in Clooneys Nähe verweilen dürfen.
Es ist zu hektisch, eigentlich, für so etwas wie Gedanken, aber Clooney kann das, er kann es gut. Er fragt, ob alle versorgt seien mit Getränken, dann antwortet er auf jede Frage elegisch und ernsthaft; er ist flink, und immer streut er noch einen Witz ein.
Die Kollegin Renée Zellweger hat ihn gelobt ... "Ich zahle gut, damit sie das sagt."
Die Hochzeit ... "War gestern."
Der neue, ganz schön kommerzielle Film ... "Ich bin eine Hure." Er legt den Kopf schief und lächelt, und alle lächeln zurück.
George Clooney hat einige Begabungen, und eine davon ist selten: Er gibt den Menschen, die ihm begegnen, nicht einfach ein gutes Gefühl, er gibt ihnen das Gefühl, das sie haben wollen. Wer politisch diskutieren will, wer flirten will, wer albern will, wer das Kino liebt: Zeremonienmeister Clooney adoptiert alle.
Der Darsteller Clooney kann Trottel und Helden spielen, er beherrscht die dreißiger Jahre und Science-Fiction, dick und schlank, sogar hässlich hat er drauf wie in "Syriana", wo er aufgedunsen spielte, bärtig und gebeugt. Clooney ist 47 Jahre alt, hat einen Oscar gewonnen, er macht politische Filme wie "Good Night, and Good Luck", in dem es um Pressefreiheit und Bespitzelung in der McCarthy-Ära geht, oder er zeigt in "Syriana" die Machenschaften der Ölindustrie. Und er dreht Komödien wie die "Ocean's"-Serie.
Nicht immer zieht er ein Massenpublikum ins Kino, sein Football-Drama "Ein verlockendes Spiel" wollten im Juni 16.000 deutsche Zuschauer betrachten. Doch meistens landen seine Filme nur deshalb nicht in den Top Ten, weil Clooney das tut, was ihn interessiert, manchmal halt in Schwarzweiß und für einen Dollar Gage. "Burn after Reading", eine Agenten-Groteske der Coen-Brüder, wird am 27.8. das Filmfest in Venedig eröffnen, das tut dem Ruf gut. Und dann kassiert Clooney wieder 20 Millionen für einen Blockbuster. Tölpel spielt er und Meisterdiebe, Snobs oder Prolls, und "er atmet Glaubwürdigkeit in seine Rollen hinein, weil er dort echt ist, wo das für Schauspieler am schwierigsten ist: im Leben", das schreibt die Komödiantin Roseanne Barr über Clooney.
Dass Clooney längst eine Produktionsfirma ("Smokehouse") hat und Regisseur der eigenen Filme ist, macht ihn zum vielseitigsten und produktivsten und deshalb zu einem der mächtigsten Männer Hollywoods. Er ist außerdem Politiker, ein Friedensbotschafter des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, er will den Völkermord in Darfur beenden und den Klimawandel.
Natürlich spielt so einer mit Leichtigkeit George Clooney: diesen größten Star unserer Zeit, so beliebt wie sonst wohl nur der Dalai Lama oder Al Gore, diesen einen also, auf den sich alle einigen können; den Mann, der so auftritt, immer selbstbewusst und nie arrogant, wie Barack Obama und alle Politiker und wahrscheinlich jeder Mann gerne wären; das Sinnbild eines neuen Amerika, wie der Rest der Welt es ersehnt: so liberal und international, so leicht, so ernst, so komisch.
Clooney wählt demokratisch, er ist einer jener Amerikaner, die in all ihren Interviews sagen, dass der ferne, falsche Krieg und die Wirtschaftskrise daheim zusammenhängen. Er ist da nicht weit weg von Bruce Springsteen oder Obama oder Autoren wie Fareed Zakaria ("The Post-American World"), die ein aus der Balance geratenes Land sehen: Zu hoch ist der Energieverbrauch, absurd die Verschuldung bei Rivalen wie China, zum Weinen ist es für amerikanische Reisende, wenn sie in der Ferne den Berliner Hauptbahnhof sehen und dann Penn Station daheim in New York - dort in Europa die Zeichen einer Moderne und hier in der Hauptstadt der Welt bloß Rost und Dreck und Provisorien.
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