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Künstlerin Wangechi Mutu: So grausam kann Glamour sein

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Schrecken und Schönheit verbunden: In ihren Collagen montiert Wangechi Mutu attraktive Frauenkörper zu Alptraumgebilden um. Jetzt sind die verstörend-faszinierenden Werke erstmals in Berlin zu sehen. Das Material für ihre Arbeit findet die Kenianerin in Pornoheften - und Naturmagazinen.

Bedford-Stuyvesant in Brooklyn ist kein Viertel für Superreiche, es ist auch nicht hip wie das benachbarte Williamsburg, wohin viele Künstler gezogen sind, sondern eher mittelständisch-bürgerlich. Wenig Geschäfte, keine Bars. In einem weißgestrichenen Reihenhaus, an dessen Fenster ein Obama-Foto in gefährlicher Schieflage hängt, wohnt Wangechi Mutu, 37, "Künstlerin des Jahres 2010", geboren in Kenia.

Ein kleiner Vorgarten, ein paar Stufen, im schmalen Flur geht es geradeaus ins Atelier. Ein großer Raum, zwei Tische, auf einem liegt ein großes, noch unfertiges Bild - für ihre Ausstellung im Deutschen Guggenheim in Berlin. Die Einzelschau ist ihr Preis für die Auszeichnung als Künstlerin des Jahres, gestiftet von der Deutschen Bank.

Die hochkarätig besetzte Jury fand, dass Mutus Collagen und Tuschezeichnungen durch "die eigenwillige Verbindung von Schrecken und Schönheit, surrealer Poesie und Gesellschaftskritik bestechen".

Man muss der Jury applaudieren, weil sie den Preis dieser in Europa praktisch unbekannten Künstlerin verliehen hat: Eindrucksvoll sind die farbigen Collagen mit den surrealen Geschichten und den bizarren schwarzen Frauenkörpern. Hybride Gestalten zwischen Pflanze, Frau und Tier, Figuren, die in Bewegung sind und die nie Haltung und Kraft verlieren, auch nicht, wenn sie knien oder sich verbiegen. Mutu zeichnet und klebt ihre halluzinatorischen Wesen auf eine glatte, milchige Mylar-Kunststofffolie, übermalt sie mit Aquarellfarben und kombiniert Glitter oder Glassteine dazu, so dass sie auf den ersten Blick fast glamourös wirken. Dann sieht man, dass sie manchmal verstümmelt sind, dreibeinig oder einarmig, dass Beine als Stümpfe und in Vogelkrallen enden, dünne Arme von Schienen zusammengehalten werden, Räder und Cybergewehre am Körper befestigt sind. Ein Vogel mit einem Loch im Körper klebt vor dem Gesicht einer Frau, Schlangen wachsen medusenartig aus ihrem Kopfputz und winden sich über das Bild, Krakenarme greifen nach dem Körper, in der Hand zerplatzt ein Alien mit einem Blutschwall.

Gesellschaft auf Distanz

"Wie Frauen in den Medien dargestellt werden und was in weibliche Körper projiziert wird, interessiert mich", sagt Mutu, "das zeigt, wie die Gesellschaft sich selbst dargestellt sehen will."

Die Gesellschaft, die Mutu porträtiert, sieht sie mit Distanz, denn es ist nicht ihre. Geboren ist sie in Nairobi als Tochter eines Geschäftsmanns und einer Hebamme, aber ihre zweite Heimat war lange Wales. Ihr afrikanischer Schul-Gospelchor hatte dort Konzerte gegeben, und die alten Kirchen, in denen sie auftraten, und die Klöster, in denen sie schliefen, hatten sie so "schwer beeindruckt", dass ihre Eltern sie nach Wales in ein katholisches Internat schickten, wo sie ihren Schulabschluss machte.

Künstlerin wollte sie werden, weil sie "immer am Visuellen" interessiert war. In Kenia gibt es kein Kunststudium, also ging Mutu erst nach London, aber das war zu teuer, und dann, mit 19 Jahren, nach New York, zuerst an die Cooper Union, dann nach Yale, wo sie auch Anthropologie studierte, "um Gesellschaft, Kultur und menschliches Verhalten zu verstehen". Den Abschluss machte sie in Kunst.

Damals war sie immer mit dem Skizzenbuch unterwegs. "Ich habe gezeichnet und gesammelt und wie ein Amateur-Archäologe nach Bedeutung gesucht. Warum ist das so, wo kommt das her, wo sind die Zusammenhänge?" So kam sie irgendwann zu ihren Collagen, zusammengesetzten Bildern mit Bezügen zu Politik und Gesellschaft. "Ich beginne in Gedanken zu collagieren, wenn ich beispielsweise von politischen Unruhen in Ruanda höre: Diamanten, Dekadenz, Bürgerkrieg, Schrecken, Folter, Verletzungen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
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1. :-(
libertyisland 21.04.2010
Leider ziemlich langweilig. Sowas kriegt doch ein drittklassiger Grafikdesigner in einer halben Stunde hin.
2. ...
Plethon 23.04.2010
Zitat von libertyislandLeider ziemlich langweilig. Sowas kriegt doch ein drittklassiger Grafikdesigner in einer halben Stunde hin.
Ein Grafikdesigner ist auch kein Künstler;außerdem geht es nicht um schnelligkeit oder langsamkeit bei der Herstellung eines Kunstwerkes. Dennoch gehört auch Wangechi Mutu zu den 15 Minuten Künstlern.
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