Kunst Radikale Freiheit

Schluss mit dem Geniekult lautet das Erfolgsrezept der Berliner Künstlergruppe Artists Anonymous.


Was sie wollen, wissen sie ganz genau: radikale Freiheit in künstlerischen Entscheidungen, auch auf dem Kunstmarkt. So kurz kann man beschreiben, was der Künstlergruppe Artists Anonymous (AA)seit ihrer Gründung am 11. September 2001 Erfolg und Niedergang, Ärger, Skandale und Triumph und jede Menge Aufmerksamkeit gebracht hat.

Zurzeit sind sie zu dritt - Maya, Ed und Nils. Sie nennen keine Nachnamen, signieren ihre Bilder nicht, und ihren Gruppennamen wählten sie, "damit es keinen Geniekult um den einzelnen und keine Konkurrenz untereinander geben kann", sagt Maya.

Bei Gründung der Gruppe waren die drei noch Studenten in Berlin. Mit Grundsätzen. Zum Beispiel "keine Jobs, wir finanzieren uns über unsere Kunst". Das funktioniert gerade hervorragend, trotz der harten Themen ihrer Gemälde wie Krieg, Hunger, Drogen und Aids. Meist sind die Künstler selbst die Protagonisten ihrer Bilder, "da fließen dann sehr persönliche Sichten ein, Krieg kann auch auf dem Internat in England sein". Negativ sind ihre Bilder wortwörtlich, denn Artists Anonymous kehren technisch gesehen ihre Bilder um, vom Dia-Positiv zur röntgenbildartigen negativen Malerei und von da umgekehrt zu einem Foto vom Gemälde, das sie Nachbild nennen. "Wir abstrahieren damit", sagt Maya, "und beim Nachbild mischen wir mit Licht wie mit einem Pinsel."

Dafür begeisterte sich schon 2003 ein Berliner Galerist, der die AA unter Vertrag nahm und erfolgreich die Leipziger Schule vertritt. "Wir dachten, das passt, weil wir Maler sind", sagt Maya. Passte nicht. Nicht, dass sich ihre Gemälde schlecht verkauft hätten, im Gegenteil. Es gab ganz andere Probleme, etwa mit einer zweiten Galerie, mit Exklusivverträgen, mit Preisen, mit Kommunikation und damit, wie der Kunstmarkt generell funktioniert. "Man gibt jede Freiheit ab", sagt Nils. Irgendwann knallte es, und die Gruppe stand ohne Galerie da. Und ohne Geld. Sie hauten ab nach London, und einen Tag, bevor sie dort ihre erste selbstorganisierte Schau "Drugs" in einer Garage mit Glastor eröffneten, erschien vom Turner-Preisträger Grayson Perry ein Verriss in der "Times", eine ganze Seite. Die Leute kamen in Scharen, auch die Deutsche-Bank-Kunstexperten und Saatchi. Am Ende waren die Bilder ausverkauft. "Das war Rock'n'Roll", sagt Nils.

Seit Herbst 2007 sind die AA zurück in Berlin und zeigen ihre Bilder und Installationen im eigenen Raum. Und in verschiedenen Galerien. Ohne Knebelverträge und Anweisungen, was sie zu tun haben oder was eine gut verkaufbare Idee wäre.


Artists Anonymous. Bregenz. Kunstverein. 4.7.-7.9.



© KulturSPIEGEL 7/2008
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