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07.05.2001
 

Beherzter Spracheinsatz

Grimm-Preis an Rolf Hochhuth

Der Dramatiker und Essayist Rolf Hochhuth erhält den erstmals verliehenen Jacob-Grimm-Preis für Deutsche Sprache. Der Preis ist mit 70.000 Mark die höchstdotierte literarische Auszeichnung in Deutschland.

Rolf Hochhuth erhält den Jacob-Grimm-Preis
DPA

Rolf Hochhuth erhält den Jacob-Grimm-Preis

Dortmund/Baden-Baden - Verliehen wird der Preis vom Verein Deutsche Sprache und der nach dem Finanzier benannten Eberhard-Schöck-Stiftung. Der Preis soll dem Erhalt und der kreativen Entwicklung der deutschen Sprache dienen, so die Gründer - damit stelle man sich in die Tradition der Brüder Grimm, die das Deutsche allen Bevölkerungsschichten zugänglich machen wollten. Der Jacob-Grimm-Preis soll ab sofort jährlich für literarische Werke, wissenschaftliche Essays oder Leistungen auf dem Gebiet der politischen Rede oder Publizistik verliehen werden.

Am 3. November soll Rolf Hochhuth als erster Preisträger die Auszeichnung in der Grimm-Stadt Kassel entgegennehmen. Die Preisträger für den mit 10.000 Mark dotierten "Initiativpreis Deutsche Sprache" für publizistische Arbeiten und der "Institutionenpreis Deutsche Sprache" stehen noch nicht fest.

Hochhuth hat sich nach Meinung der Jury öffentlich "beherzt" für die Pflege und kreative Weiterentwicklung der deutschen Sprache eingesetzt. Der 70-Jährige ist einer der umstrittensten deutschen Dramatiker der Nachkriegszeit. Bereits sein erstes Theaterstück, "Der Stellvertreter", geriet zu einem Welterfolg. Uraufgeführt wurde es 1963 in einer Inszenierung von Erwin Piscator an der Freien Volksbühne in Berlin. Das Stück löste heftige Diskussionen aus, weil der bis dato unbekannte Autor darin zu fragen wagte, ob Papst Pius XII. und die katholische Kirche durch ihr Schweigen eine Mitschuld am Holocaust treffe. Zu den bekannteren Theaterstücken Hochhuths gehören neben dem "Stellvertreter" auch "Juristen", "Judith" und "Wessis in Weimar" - letzteres wurde 1993 von Einar Schleef am Berliner Ensemble uraufgeführt, zur Unzufriedenheit Hochhuths, der sich der eigenen Sache dann 1994 in Meiningen annahm.

Schlagzeilen machte Rolf Hochhuth in den letzten Jahren vor allem in Verbindung mit seinen Bemühungen um das Berliner Ensemble (BE). Seit 1996 ist die von Hochhuth gegründete Ilse-Holzapfel-Stiftung Eigentümerin des BE, welches sie bis 2012 an das Land Berlin vermietet hat. Heftigen Streit gab es zuvor mit dem Berliner Senat um eine Ausweichspielstätte für Hochhuths "Stellvertreter" während des geplanten Theaterumbaus.

Weithin Beachtung fand 1996 Hochhuths Buch "Effies Nacht" über das Leben von Elisabeth Baronin Ardenne, die bereits Vorlage zu Theodor Fontanes Roman "Effie Briest" war. August Everding inszenierte im Mai 1998 in München die Uraufführung des Stückes, das im Kriegsjahr 1943 spielt: Auch heute noch, lange Jahre nach dem "Stellvertreter" kreisen Hochhuths Werke um die Nazi-Zeit. Die Auseinandersetzung mit Hitler, sagte er einmal, liege allem zu Grunde, was er schreibt und schrieb.

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