Von Frank Lähnemann
In seinem letzten Buch "About A Boy" ist Hornby die Darstellung der verzwickten Zwischenmenschelei noch prima gelungen man darf gespannt sein auf die Verfilmung mit Hugh Grant. Aber für wie viel mehr Beziehungskisten ist die Welt da draußen offen? Wie vermeidet man Wiederholungen? Hornby wechselt in seinem neuen Roman "How To Be Good" erstmals die Fronten und erzählt seine Geschichte aus der Frauen-Perspektive.
Katie Carr ist Ärztin, also ein guter Mensch, ein Mensch, der anderen hilft und sich ihrer Ekzeme annimmt. Sie arbeitet zehn Stunden am Tag und enttäuscht ihre Patienten trotzdem am laufenden Band: Das verschriebene Medikament verfehlt seine Wirkung oder der versprochene Krankenhausplatz ist nicht frei. Weil sie glaubt, nicht wirklich gut zu sein in ihrer Arbeit, und dazu noch meint, keine gute Mutter und gute Ehefrau zu sein, fehlt ihr die Kraft für alles weitere, was man tun muss, um tatsächlich "gut" zu sein. Ihre Batterie ist ausgebrannt, Katie ist "soul-dead" - da kann auch eine kurzfristige Affäre nicht helfen.
Der grummelige Ehemann David, der sich um die beiden Kinder kümmert und sich lediglich mit Zeilengeld für eine Kolumne namens "The Angriest Man In Holloway" an der Haushaltskasse beteiligt, ist ebenfalls "seelentot". Dann aber sieht er vorübergehend das Licht: Von Rückenschmerzen geplagt, entdeckt er die Anzeige eines Wunderheilers namens DJ GoodNews. Der befreit ihn in der Tat von allen Schmerzen, und fortan will David nur noch Gutes tun: Geld (das Katie verdient) an Bedürftige verschenken, den Inhalt des heimischen Kühlschranks an Hungernde geben. Lasagne für die Welt! Katie wünscht alsbald, David würde wieder grummeln ...
Es kommt nämlich, wie es kommen muss: GoodNews hat keinen eigenen Platz zum Schlafen mehr und zieht ins Gästezimmer der Familie. Natürlich ist er Veganer und lehnt Betten als Schlafmöglichkeit ab. Natürlich ist er gepierct, und natürlich ist er bei seiner eigenen Schwester mit seinem "Gutsein" am Ende: Das vermeintliche Versöhnungsgespräch endet mit den Worten "You fuck off!" ("Leck Du mich"). Und natürlich wirbelt er das Leben von David und Katie heftig durcheinander.
Zwar schreibt Hornby aus der Sicht der Frau, doch was uns die Ich-Erzählerin mitteilt, ist deswegen nicht auch automatisch mit den Augen einer Frau betrachtet. Es ist lediglich die Sichtweise einer Hälfte einer Beziehung. Katie sagt selbst: "Ich bin der Mann!" Die andere Hälfte der Beziehung, der grummelige Ehemann, bleibt dem Leser indes merkwürdig fremd. Alles andere an "How To Be Good" ist einem überhaupt nicht fern: Beziehungen, in denen immer geredet und geredet werden muss. Ein Buch lang nur Gerede: "Er sagte und ich sagte und er sagte und ich sagte und er dachte und ich dachte ..." Das kennt jeder, und man will es eigentlich nicht noch einmal lesen auch wenn Hornby, selbst geschieden, das noch so treffend beobachtet.
Die Ratlosigkeit der Menschheit ist allgegenwärtig, und man muss nicht noch extra mit der Nase drauf gestupst werden. Täglich fährt man mit Hunderten von anderen ausgebrannten Batterien in der U-Bahn zur Arbeit, und abends redet man mit seinem Partner in einem Restaurant über seine Beziehung inmitten Hunderten von anderen ausgebrannten Paaren, die über sich reden. "Es ist nicht unbedingt, dass ich nicht daran glaube. Es ist mehr, dass ich nicht nicht daran glaube", brabbelt einer von Hornbys Protagonisten orientierungslos im Getümmel der Argumente. Und dann fällt der Satz, den man an Hunderten von Nebentischen schon gehört hat, falls nicht am eigenen: "Vielleicht ist das die Ehe sowieso, der Tod der eigenen Persönlichkeit." Da weiß der Leser noch nicht, dass dieses Buch noch unbefriedigender endet als "High Fidelity".
Hornby kann noch so ein guter Schreiber sein, noch so ein guter Mensch dieser Roman macht wenig Spaß, erinnert einen nur an die eigene Ratlosigkeit, an sein eigenes Grummeln, seinen eigenen Zynismus. Was "Bild"-Kolumnist Franz Josef Wagner dazu sagen würde? "Scheiß drauf! In zwei Tagen beginnt die Bundesliga."
Nick Hornby: "How To Be Good". Aus dem Englischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann; Kiepenheuer & Witsch, Köln; 336 Seiten; 39.90 Mark. Das Buch erscheint Ende August 2001.
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