London - Trotz aller Beschimpfungen wurde Naipaul seit Jahrzehnten als Kandidat für den Nobelpreis gehandelt. Am Donnerstag verlieh ihm die Schwedische Akademie nun endlich den Literaturpreis "für seine Werke, die hellhöriges Erzählen und unbestechliches Beobachten vereien und uns zwingen, die Gegenwart verdrängter Geschichte zu sehen".
Naipaul kam auf Trinidad in der Karibik zur Welt. Sein Großvater war als Vertragsarbeiter aus dem indischen Uttar Pradesh auf die Insel gekommen. Mit 18 Jahren ging Naipaul, der seine Vornahmen Vidiadhar Surajprasad stets abkürzt, nach England. Er studierte in Oxford, wurde Literaturrezensent und BBC-Mitarbeiter - doch dann, mit 23 Jahren schon, Schriftsteller, wie er es seinem Vater einmal versprochen hatte.
In den ersten drei Werken beschäftigte sich Naipaul mit seiner Jugendzeit. Der Durchbruch kam 1961 mit dem Roman "Ein Haus für Mr. Biswas" über das Leben seines Vaters, eines Druckers und Provinzjournalisten. Danach folgten Reiseberichte aus Indien, Afrika und den islamischen Ländern. Sie zeichnen sich vor allem durch feine Ironie und Naipauls brillante Beobachtungsgabe aus. In Deutschland fanden neben "Mr. Biswas" vor allem der Roman "An der Biegung des großen Flusses" und die Reiseberichte "Indien, ein Land des Aufruhrs" und "Eine islamische Reise" Beachtung.
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