Es ist ein unwirkliches Gefühl. Jeden Morgen vor dem Spiegel sage ich mir, dass es nicht möglich sein kann, auf Platz eins zu sein, vor Henning Mankell. Und die Verkäufe sind ja genauso bemerkenswert.
Fans und Kritiker sagen, Ihre Krimis hätten "Suchtpotenzial". Wie beurteilen Sie die Faszination, die Ihre Romane ausüben?
Berndorf: Ich kann nicht genau definieren, warum die Leser so begeistert sind und ich nun zu den meistgelesenen Autoren Deutschlands gehöre. Die Lesungen sind überlaufen, alles hat eher den Charakter einer Kinoveranstaltung. Eine Frau sprach mich einmal an und meinte, dass sie gern Teil der Welt wäre, die ich schildere. Ich war entsetzt - eine Welt voller Gewalt und Mordfälle? Sie meinte, dass ihr das nichts ausmachen würde. Ich denke, dass meine Welt klein und überschaubar ist und dass sie deshalb so gut ankommt. Ich schildere letztlich nichts anderes als normalen Alltag, das Leben in Familien, wie zum Beispiel Ingrid Noll auch.
Wie reagieren Ihre Nachbarn in der Eifel auf den "berühmten Autor Berndorf"?
Berndorf: Sie sind sehr gelassen und nehmen den Trubel um mich nicht ernst. Es sind sture, aber sehr verlässliche Menschen. Die Entscheidung, mich dort niederzulassen, war irrational. Ich blieb wegen der Landschaft und kaufte ein Haus, das früher einem Schneider gehörte. Mittlerweile bin ich für die Nachbarn und Freunde "Schnidders Michel", ein ungeheures Verdienst, das zeigt, dass ich akzeptiert bin.
Liegt das Geheimnis Ihrer Krimis auch in der Beschreibung einer Region?
Berndorf: Man sollte die Regionalität nicht überbewerten, ein Krimi ist nicht gut, nur weil er aus Köln oder aus Schleswig-Holstein kommt. Er muss gut sein, egal, auf welche Region er Bezug nimmt. Mir haben Kollegen und Freunde gesagt, dass meine Krimis die Neuentdeckung einer tot geglaubten Sprache seien, der linksliberalen, schnörkellosen Sprache.
Pilgern die Fans zu den "Tatorten" Ihrer Krimis in der Eifel?
Berndorf: Ja, leider. Teilweise kommen ganze Busladungen. Und es kann passieren, dass Fans an der Tür klingeln, nur um zu erfahren, wie ich aussehe.
Wie reagieren Sie?
Berndorf: Nun, es sind meine Leser. Ich versuche stets, freundlich zu bleiben.
Was können Krimis vermitteln, was "andere" Literatur nicht kann?
Berndorf: Sie spielen eine zunehmend wichtige Rolle, weil sie die Gesellschaft beschreiben. Ob das Autoren wie Martin Walser tun, wage ich zu bezweifeln. Krimis schildern das Leben, wie es ist, die Oma mit ihren Sehnsüchten, die Sorgen der Familien, den Zwist in einer Ehe. Dass ich nun als "Literaturmacher" gelte, irritiert mich, ich will meine Leser unterhalten. Es mangelt in Deutschland erheblich an guter Unterhaltung.
Sehen Sie diesen Mangel auch in der Mentalität der Deutschen begründet?
Berndorf: Ja. In England, Frankreich oder den USA muss man sich nicht rechtfertigen als Krimiautor. Aber hier muss man immer wieder nachweisen, dass man das ABC beherrscht.
Wie fanden Sie die Verfilmung Ihres Krimis "Eifel-Sturm" im ZDF?
Berndorf: Ich war sehr unzufrieden damit. Es lag aber sicher auch daran, dass mein Verleger und ich die Rechte weggegeben hatten und uns nicht weiter darum gekümmert haben. An ein Exemplar des Drehbuchs zu gelangen, war unmöglich. Ich bin froh, dass sich mit dem jetzigen Erfolg unsere Position geändert hat. Nun kommen die Leute auf uns zu und wir werden das nutzen, um bei einer weiteren Verfilmung mehr Einfluss zu nehmen.
Sie sind nicht zum ersten Mal auf der Buchmesse. Wie empfinden Sie den Rummel?
Berndorf: Es ist großartig, dass soviel Aufsehen um Bücher gemacht wird. Aber mir persönlich liegt das nicht, es sind einfach zu viel Menschen.
Das Interview führte Buchreport
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