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16.12.2001
 

Rückblick

Stefan Heym - Ein deutsches Literatenleben

Stefan Heym, der am Sonntag in Israel nach Informationen des Fernsehsender n-tv im Alter von 88 Jahren gestorben. Der Schriftsteller hatte noch zu Lebzeiten seinen eigenen "Nachruf" geschrieben.

Berlin - In den fesselnden, 1988 erschienenen Memoiren schilderte er die Geschichte eines bewegten Lebens: eines deutschen Literaten aus einem jüdischen Elternhaus in Chemnitz, der zum Exil gezwungen wurde und nach seiner Rückkehr mithelfen wollte, ein besseres Deutschland aufzubauen. In der DDR wurde er zu dem wohl bedeutendsten "oppositionellen Autor". Obwohl er sich zum "sozialistischen Deutschland" bekannte, dessentwillen er aus amerikanischen Exil nach dem Krieg die DDR als Heimat wählte, wurde er zu einer Symbolfigur für den geistigen Widerstand im SED-Staat.

Heym war ein zutiefst politischer Mensch. Einer seiner letzten öffentlichen Auftritte wurde 1999 von den Nato-Angriffen auf Serbien überschattet. Bei einer Lesung aus seinem Roman "Pargfrider" in Hannover reagierte er mit Bestürzung auf die Ereignisse. "Ich hatte gehofft, dass ich nie wieder einen Krieg erleben muss", sagte der Autor. Heym hatte als amerikanischer Sergeant an der Normandie- Invasion im Zweiten Weltkrieg teilgenommen.

Aktiv hatte Heym nach der Bundestagswahl 1994 in die Politik eingegriffen, als er als Direktkandidat für die PDS in den Bundestag einzog. Seine Antrittsrede als Alterspräsident fand damals kontroverse Beachtung im vereinten Deutschland - der erste deutsche Schriftsteller und der erste Jude in diesem Amt, wie Heym immer hervorhob. Ein Jahr später gab er sein Mandat jedoch wieder zurück, aus Protest gegen eine Diätenerhöhung.

Resümierend meinte Heym einmal, dass er mit seinem Wirken vielleicht "hier und da" etwas bewirkt habe. "Insofern habe ich nicht ganz umsonst gearbeitet." Und vielleicht würden einige Menschen, wenn er nicht mehr da sei, noch immer etwas Spaß an seinen Büchern finden und auch etwas zum Nachdenken haben.

Mit dem Ende der DDR war auch für Heym ein Traum zu Ende gegangen, den er bei seiner Rückkehr aus dem Exil wie viele andere Menschen geträumt hatte - dass es mit der DDR ein neues Deutschland geben könnte, das ihren Vorstellungen entsprach. "Ich ging nach Ost-Berlin, weil ich woanders keinen Platz gefunden hatte, ich wollte zunächst nach Prag zurückkehren", sagte er einmal. "Auch in der DDR hat man mich nicht mit offenen Armen empfangen. Vielleicht haben sie ja Recht gehabt, denn ich habe ihnen ja nichts als Schwierigkeiten gemacht."

So wurde er zur bekanntesten Unperson der DDR - mit entsprechendem über ihn angelegten Stasi-Dossier - und schließlich zu einer Zentralfigur des Umsturzes in der DDR. Nach dem Zusammenbruch der DDR im Herbst 1989 rief Heym zu einem neuen Widerstand auf, diesmal unter dem Motto "Für unser Land" gegen den, wie er meinte, "Ausverkauf an die Bundesrepublik".

  • 1. Teil: Stefan Heym - Ein deutsches Literatenleben
  • 2. Teil

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