Hamburg - "Diesen Wahnsinn soll man nachlesen dürfen. Hitler im Wortlaut ist immer entlarvend", so begründete Günter Grass gegenüber der Zeitung "Die Woche" sein Plädoyer für die Aufhebung des Verbots von "Mein Kampf" in Deutschland.
Im selben Interview argumentierte Grass gegen ein NPD-Verbot. Er halte die deutsche Demokratie für gefestigt genug, um mit Rechtsradikalen die offene Auseinandersetzung zu suchen. "Eine relativ gefestigte Demokratie wie die unsere muss in der Lage sein, mit einem rechten Wählerpotenzial argumentativ umzugehen. Wir tun das nicht, setzen auf ein Verbot. Damit schafft man bloß Märtyrer - die offene Auseinandersetzung ist dem vorzuziehen", sagte Grass.
"Außerdem schützt uns das (Verbot) auch nicht davor, dass Herr Koch oder Herr Stoiber mit Thesen - demagogischer, populistischer Art - an die Wähler herantreten, die den Rechtsradikalen den Boden bereiten", fügte Grass hinzu.
Wichtiger als Verdrängung sei eine gründliche Information über den Nationalsozialismus, so Grass: "Die Jugendlichen, die von Teilaspekten des Nationalsozialismus fasziniert sind, aber die Wirklichkeit dahinter nicht verstehen, brauchen dafür Gesprächspartner. Die fehlen ihnen - vom Elternhaus bis zur Schule."
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