Frankfurt/Main – Vor dem Nigerianer Chinua Achebe wurden nur zwei Autoren aus Afrika mit dem Friedenspreis ausgezeichnet: 1968 der senegalesische Politiker und Dichter Leopold Sedar Senghor, vor zwei Jahren die algerische Journalistin und Autorin Assja Djebar. Chinua Achebes zentrales Thema sei, "Frieden in Regionen herzustellen, die einem permanenten Kulturkonflikt ausgesetzt sind", begründete der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Montag seine Entscheidung.
Mit dem 71-jährigen Autor ehre der Buchhandel zugleich einen großen Erzähler, der unangefochten als Begründer der authentischen englischsprachigen Romantradition Westafrikas gelte, heißt es in der Begründung des Stiftungsrat des Deutschen Buchhandels weiter. Achebe sei eine der kräftigsten und zugleich subtilsten Stimmen Afrikas in der Literatur des 20. Jahrhunderts, ein unnachgiebiger Lehrer, Moralist und vor allem ein großer Erzähler, so der Stiftungsrat. Achebes Stil ist stark geprägt von der oralen Erzählkunst seines Volkes, der er damit ein Denkmal setze.
Zu seinen Werken zählen "Ein Bild von Afrika" und "Der Pfeil Gottes". Schon sein erster, 1958 in London erschienener Roman "Things fall apart", der 1959 auf Deutsch unter dem Titel "Okonkwo oder Das Alte stürzt" erschien, verschaffte ihm weltweiten Ruhm und wurde - in rund 50 Sprachen übersetzt – zum Klassiker afrikanischer Gegenwartsliteratur. Das Buch ist Pflichtlektüre an Schulen und Universitäten. Damit gilt Achebe als Vater der modernen afrikanischen Literatur und als einer der bedeutendsten postkolonialen Schriftsteller.
Der 71 Jahre alte Achebe gehört dem Volk der Ibo an, einem der drei großen Volksstämme in Nigeria. Seit einem schweren Autounfall im Jahr 1990 ist der Nigerianer auf den Rollstuhl angewiesen. Zuletzt lehrte er am Bard College in Annandale-on-Hudson, im Staat New York, wo er auch lebt. Aus gesundheitlichen Gründen reist der Autor nur noch selten in seine Heimat.
Die Verleihung des Friedenspreises findet während der Frankfurter Buchmesse am 13. Oktober 2002 in der Paulskirche statt. Im vergangenen Jahr war der Sozialphilosoph Jürgen Habermas mit dem Preis ausgezeichnet worden.
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