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12.06.2002
 

Antisemitismus-Debatte

Giordano nennt Möllemann einen Schmierenkomödianten

In der Antisemitismus-Debatte bezichtigte der Schriftsteller Ralph Giordano den Politiker Jürgen Möllemann als den "gefährlichsten aller Schmierenkomödianten der letzten 57 Jahre". Der FDP-Vize sei skrupellos und ein großer Täuscher, schreibt Giordano in der neuen Ausgabe des "Stern".

Ralph Giordano: "Dies ist auch mein Deutschland"
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DDP

Ralph Giordano: "Dies ist auch mein Deutschland"

Hamburg - Dem "Verbal-Bulldozer" und "Ego-Shooter" Möllemann warf Giordano vor, von ihm käme kein ehrliches Wort. An dem FDP-Politiker zeige sich, "dass sich das Klima verändert hat". Wenn Möllemann dank Westerwelles Schützenhilfe an führender FDP-Position bliebe, "verändert sich das Gesicht der Republik. Da höhlt sich etwas aus," meinte der Schriftsteller im "Stern".

Mehr als Möllemanns Strategie erschütterten Giordano die Tausende von Briefen, E-Mails und Solidaritätsbekundungen, die den Politiker angeblich erreicht haben. "Es muss also einen großen Teil von Deutschen geben, der sich durch die Demokratie unterdrückt fühlt".

Die Reichspogromnacht habe er als 15-Jähriger erlebt, so der 1923 in Hamburg geborene Sohn eines italienischen Vaters und einer deutsch-jüdischen Mutter. "Es war die Geburtstunde der Furcht vor dem jederzeit möglichen Gewalttod als mein zentrales Lebensgefühl". Aus unzähligen Briefen und aus Todesdrohungen wisse Giordano, "dass es einen Bodensatz von Antisemiten gibt". Beispielsweise sei ihm der Tod per Gaskammer angedroht worden. An einem 69 Kilo schweren Schwein - so viel betrage das Gewicht des Autors - sei dieser Gewaltakt erprobt worden; das Schwein brauchte 14 Minuten, um zu sterben, lautete die bedrohliche Botschaft an Giordano.

Was Möllemann mit seinen Äußerungen über den stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden Michel Friedman und die Nahostpolitik ausgelöst habe, "das provoziert und mobilisiert meinen Fluchtinstinkt", meinte der 79-Jährige. Auf die Frage besorgter Freunde und Bekannter, die Deutschland bereits einmal verlassen hatten und zurückgekehrt seien, ob sie wieder die Koffer packen müssten, könne er zunächst gar nicht antworten. "Weil es mir die Sprache verschlägt. Und dann brülle ich: Nein, nein, nein!"

Auf eines könne man sich verlassen, meint Giordano, der sich nach Kriegsende dafür entschieden hatte, in Deutschland zu bleiben: "Ich werde nicht flüchten, vielmehr hoffe ich, meinen Freunden und meinen Feinden noch lange erhalten zu bleiben - hier. Denn dies, Herr Möllemann, ist auch mein Deutschland".

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