Von Frank Patalong
Seit knapp zwei Jahren reist der britische Kult-Autor Douglas Adams nur mit einem Handtuch bewaffnet per Anhalter durch die Galaxis, ist über die Wupper oder den Jordan gegangen, hat unsere irdischen Gefilde hinter sich gelassen, das Zeitliche gesegnet, Nirvana erreicht oder was auch immer er selbst sich gewünscht hätte, was man in einem so ernsten Fall über ihn schreiben sollte. Unter dem Strich ist er tot, was viele Menschen bis heute traurig macht, denen er mit seinen clownesken, wahr- und weisheitsvollen Büchern sehr viel Freude gemacht hat. Und die, die ihn immer nur als begnadeten Blödelkopp gelesen haben, vermissen ihn ja auch.
Jetzt ist sein letztes Machwerk erschienen, sein Nachlass: Ausgegraben aus den Tiefen seines geliebten Mac, zusammengestückelt aus Dingen, die er selbst so nie beieinander sah. "Lachs im Zweifel" heißt dieses Potpourri aus einem kleinen Romanfragment, diversen Magazinartikeln, Reportagen von und Interviews mit ihm, Lobreden von und auf ihn, Buchvorworten, Randnotizen und was auch immer noch in so einen veritablen Nachlass passt und gehört.
Da wird gelobt auf Vogone komm raus: Adams lobt A, B lobt Adams, C erinnert an ihn, D verabschiedet sich von ihm. Klingt langweilig, wie gemacht für ein herrlich schnarchiges Anglisten-Seminar am frühen Morgen, knapp vor dem geistigen Erwachen. Lauern hier die Erklärungsmuster, anhand derer man den viel zu oberflächlich lustigen Adams endlich wird sezieren können?
Aber sicher, denn wer das will, der kann das auch. Alle anderen beschäftigen sich mit etwas Sinnvollem: Dem Buch und dem, was drinsteht, zum Beispiel.
Adams: Mehr als nur der Anhalter
Was wird der Leser finden? Er (oder sie) stößt auf einen Autor mit bescheidenen, aber von Anfang an humoristischen Wurzeln. Auf einen, der sich über Kleinigkeiten große Gedanken machen konnte und das Große gern auf triviales Maß verkleinerte. Auf einen Autor, Journalisten und Humoristen, der ungerechterweise das Pech hatte, mit seinem Schlüsselbuch "Per Anhalter durch die Galaxis" einen derart megalomanen Erfolg hinzulegen, dass er künftig nur noch darauf festgelegt wurde.
Als Adams starb, hatte nach dem Buch und dem Hörspiel und dem Hörbuch und dem Comic, unzähligen Interviews darüber und vier Fortsetzungen gerade die Planung für den Hollywood-Schinken begonnen. Hätte Adams seinen 100. Geburtstag im Jahre 2052 noch erleben dürfen, hätte er wahrscheinlich auch noch seine Freude an der telepathischen Direkt-Phantasie-Cerebral-Einspeisungsversion gehabt - finanziert mit den Profiten aus der siebzehnstündigen Opernversion, die ab 2031 in Mailand Triumphe feierte (oder besser: feiern wird).
Scherz beiseite: Eigentlich ist das traurig, denn wohl über 90 Prozent seiner angeblichen Fans haben nie etwas anderes von ihm gelesen als die Anhalter-Bücher oder vielleicht die eher schwächlichen Dirk-Gently-Romane. Vielleicht steht deshalb "Zum letzten Mal per Anhalter durch die Galaxis" als Untertitel auf der deutschen Ausgabe seines letzten Buches, obwohl das damit nun überhaupt nichts zu tun hat - das grenzt ganz klar an Etikettenschwindel.
Außer, man meint damit das Universum in Adams Kopf: Davon bekommt man schon einen Eindruck. Und "per Anhalter" ist das auch irgendwie: Man steigt ein und weiß nicht, mit wem man da eigentlich fährt.
Das aber erfährt man schnell. Adams Welt war so groß, wie sie in Wirklichkeit klein war: Der geistreiche Beobachter des großen Wahnsinns im kleinen alltäglichen Detail besaß so etwas wie ein Koordinatensystem, an dem er sich Zeit seines schreibenden Lebens orientierte. Dazu gehören Personen, Themen und Anliegen, die in seinen überraschend vielfältigen Schriften immer wieder auftauchen.
Gary Brooker, der Sänger der Band Procol Harum ("A Whiter Shade Of Pale") ist so eine Nase: Im Anfang des Buches hält Adams eine Lobrede auf ihn. Am Ende des Buches singt Brooker auf Adams Totenmesse.
Denn alles in Adams Universum ist irgendwie vernetzt, alle Kreise schließen sich, und ganz oft geht es um bedrohte Arten, von Beatles und Brooker über Nashörner bis hin zu Monty-Python-Gags. Am Ende des Buches hat man viel gelesen, was man gar nicht vorhatte zu lesen, ein wenig nachgedacht und viele Male laut gelacht. Wer vorher noch nicht traurig war, dass Adams nicht mehr ist, ist es am Ende auf jeden Fall. Ein Lob gebührt darum dem Verlag wegen des kleinen Schwindels: Hätte man "Ein Nachlass" als Untertitel auf den Wälzer geschrieben, hätte den doch keiner gekauft.
Douglas Adams: "Lachs im Zweifel"
Heyne-Verlag, München, 2003.
320 Seiten, gebunden, 22 Euro
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