Nur schöner Schein: Große Teile von Ulla Ackermanns Biographie sind frei erfunden
Hamburg - "Ulla Ackermann hat einfach eine perfekte Show abgezogen", sagte Rainer Moritz, Verlagsleiter von Hoffmann und Campe, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Niemals zuvor habe er einen derartigen Fall erlebt. Bis zuletzt habe Ackermann versucht, ihre künstliche Biographie aufrecht zu halten, sogar in einer eidesstattlichen Erklärung die Wahrheit ihrer Aussagen beglaubigt. Es hat ihr nichts genutzt. In einem Gespräch mit dem Verlag und ihrer Agentur hat die 47-Jährige nun zugeben müssen, weite Teile ihres Buches "Mitten in Afrika", in der sie ihre Erfahrungen als Kriegsreporterin in Afrika beschreibt, nur erfunden zu haben. Hoffmann und Campe hat den Besteller daraufhin vom Markt genommen.
"Frau Ackermann hat offensichtlich nicht nur uns und ihren Agenten, sondern auch ihr eigenes privates Umfeld seit vielen Jahren über ihre Lebensgeschichte getäuscht", sagt Rainer Moritz. Hoffmann und Campe entschuldige sich bei seinen Lesern. Diese können die Schwindel-Biographie nun im Buchhandel zurückgeben und bekommen den Kaufpreis (21,90 Euro) erstattet. Betroffen sind nicht eben wenige Leser. "Mitten in Afrika" verkaufte sich glänzend, rund 25.000 Exemplare gingen bisher über den Ladentisch.
Doch bereits vor einigen Wochen waren erste Zweifel am Wahrheitsgehalt des Buches aufgetaucht. Wie der SPIEGEL berichtet hatte, existierten die von Ackermann genannten Auftraggeber nicht, andere Afrika-Korrespondenten erklärten, sie würden die angebliche Kollegin überhaupt nicht kennen. Außerdem gebe es in dem Buch inhaltliche Fehler: So könne die Autorin nicht - wie behauptet - Nelson Mandela im Gefängnis auf Robben Island besucht haben: Er hat dort keine Interviews gegeben.
Ackermann, die bisher nur einige Reiseführer über Afrika veröffentlicht hat, beschreibt in ihrem Bestseller auch private Erlebnisse und Tragödien, zum Beispiel ein Treffen mit Osama Bin Laden oder den Malaria-Tod ihrer Tochter. Was nun in "Mitten in Afrika" der Wahrheit entspricht und was erfunden ist, weiß zurzeit niemand. Verlagsleiter Moritz glaubt Ackermann - bis auf die Tatsache dass sie in Kenia war und dort gelebt hat - erst einmal nichts mehr. Hoffmann und Campe behalte sich juristische Schritte gegenüber der Autorin vor.
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