Mittwoch, 10. Februar 2010

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Nobelpreis für Literatur

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02.10.2003
 

Literatur

Südafrikaner J.M. Coetzee erhält Nobelpreis

Der diesjährige Nobelpreis für Literatur geht an J.M. Coetzee. Der südafrikanische Schriftsteller wurde mit zahlreichen Romanen über den Rassenkonflikt in seiner Heimat bekannt und galt schon seit vielen Jahren als Anwärter auf die begehrte Auszeichnung.

Schriftsteller Coetzee: Chronist der Rassenkonflikte
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REUTERS

Schriftsteller Coetzee: Chronist der Rassenkonflikte

Stockholm - Der 63 Jahre alte John Maxwell Coetzee ist nach Nadine Gordimer der zweite weiße Autor aus Südafrika, der mit dem wichtigsten Literaturpreis der Welt ausgezeichnet wird. Zur Begründung sagte die Schwedische Akademie am Donnerstag, Coetzee porträtiere "die Teilhaftigkeit des Menschen an der Vielfalt des Daseins in oft überrumpelnder Weise". Coetzee wurde mit Büchern wie "Schande" oder "Der Junge. Eine afrikanische Kindheit" bekannt.

Der als Sohn eines Rechtsanwalts und einer Lehrerin in Kapstadt geborene John Marie Coetzee hat bisher neun Romane sowie zahlreiche Essays und Aufsätze publiziert. In Deutschland sind seine Werke im S. Fischer Verlag erschienen.

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki begrüßte die Entscheidung der Akademie. "Ich glaube, das ist eine vernünftige Entscheidung", sagte er am Donnerstag. Coetzee sei ein "ernster südafrikanischer Schriftsteller, dessen Bücher ich gerne gelesen habe". Es seien sehr intensive und aufschlussreiche Bücher, so Reich-Ranicki.

Der Autor, zu dessen immer wieder kehrenden Themen Doppelmoral und Rassismus gehören, sei ein "gewissenhafter Zweifler, schonungslos in seiner Kritik der grausamen Vernunft und der kosmetischen Moral der westlichen Zivilisation", so die Begründung der Akademie weiter. Coetzee lebt zurzeit in der australischen Stadt Adelaide.

Der Nobelpreis für Literatur wird seit 1901 - mit Unterbrechungen vor allem in den Weltkriegen - jedes Jahr vergeben. Nach dem testamentarischen Willen des schwedischen Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896) erhält derjenige den Preis, "der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealistischer Richtung hervorgebracht hat". Das Werk soll von sehr hohem literarischen Rang sein und dem Wohle der Menschheit dienen.

Coetzee stand schon seit beinahe zehn Jahren immer wieder auf den Favoritenlisten. Afrika ist seit der Preisvergabe an Nadine Gordimer 1991 nicht mehr begünstigt worden. Die Entscheidung der Schwedischen Akademie ist also auch eine Proporz-Entscheidung gewesen. Zu den weiteren hoch gehandelten Anwärtern gehörten in diesem Jahr der in Spanien lebende Peruaner Mario Vargas Llosa, der Portugiese António Lobo Antunes, die Kanadierin Margaret Atwood sowie - wie ebenfalls seit Jahren - die Amerikaner Philip Roth, John Updike und Thomas Pynchon.

Im vergangenen Jahr wurde der ungarische Autor Imre Kertész mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Letzter deutscher Preisträger war 1999 Günter Grass.

Der von der Schwedischen Akademie vergebene Preis ist inzwischen mit zehn Millionen Schwedischen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotiert. Er wird jeweils am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters, in Stockholm überreicht.

In den Jahren 1914, 1918, 1935 sowie von 1940 bis 1943 wurde kein Literatur-Nobelpreis vergeben. Vier Mal - 1904, 1917, 1966 und 1974 - mussten sich zwei Schriftsteller die Auszeichnung teilen. Zwei Autoren lehnten den Nobelpreis ab: 1958 musste der sowjetische Autor Boris Pasternak den Preis auf Druck seiner Regierung hin zurückweisen. Der Franzose Jean-Paul Sartre weigerte sich 1964, die Auszeichnung anzunehmen.

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