Hamburg/Berlin - Der Bericht von Henryk M. Broder liefere "ein völlig verzerrtes Bild" seiner Person und seiner schriftstellerischen Tätigkeit, heißt es in dem offenen Brief Kunkels an die Redaktion des SPIEGEL. "Die Art und Weise, wie ihr Reporter aus unautorisiertem Material zitiert, es verzerrt, entstellt und mich als verkappten Rechten und Revisionisten darstellt, ist Rufmord in Reinkultur."
Durch eine "nicht ungeschickte Textmontage" werde der Eindruck vermittelt, es handele sich bei einigen Zitaten um persönliche Bekenntnisse, schreibt Kunkel. "Es erschreckt mich zutiefst, wenn ich jetzt lese, dass Fest aus diesem (...) fiktiven Text Sätze zitiert, die beweisen sollen, dass ich "die Wiedergeburt Parzifals als rechter Schläger" bin", schreibt der Autor in bezug auf seinen Verleger Alexander Fest, der im SPIEGEL zitiert wird.
"Mehr als einmal insinuiert Broder, ich sei Auschwitzleugner und Revisionist. Zur Klarstellung: (...) ich verurteile die Gräuel des Nazi-Regimes, so wie jeder halbwegs vernunftbegabte Mitmensch. Ich leugne weder Auschwitz, noch pflege ich irgendeine Art des Revanchismus", betont Kunkel.
Er wolle seine Leser "zutiefst berühren" und provozieren. Sein Roman solle "endlich die subtilere Form des Bösen hinter dem braunen Kolorit sichtbar machen". Der Roman beschreibe "neben den zeitgeistlichen Strömungen auch die "geistige Wirklichkeit" von Techno-Hedonisten, die sich "durch Tauschgeschäfte von Pornofilmen in Kriegszeiten bereicherten".
Wegen Differenzen in "inhaltlichen und ästhetischen Fragen" hatte der Rowohlt Verlag in Reinbek das Buch Ende voriger Woche überraschend zurückgezogen. Unterdessen gab der Eichborn Berlin bekannt, das Werk im April herauszugeben.
Für Programm-Chef Wolfgang Hörner von Eichborn Berlin hat Kunkels Text "nichts ideologisch Anrüchiges". "Es ist ein hoch spannender, glänzend geschriebener Roman, der teilweise sehr witzig ist und sicherlich auch provokativ", sagte Hörner am Montag. Nach der Lektüre des Manuskriptes und Gesprächen mit dem Autor könne er die "aufgeregte Diskussion" nicht nachvollziehen. "Der Text ist ganz bestimmt nicht nationalsozialistisch angehaucht. Das ist völlig absurd", betonte Hörner. "Viele werden sich wundern, wenn sie im April das Buch lesen und es nach all diesen Debatten nicht wiedererkennen."
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