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19.02.2004
 

Frankfurter Buchmesse

Nobelpreisträger warnt vor arabischer Propaganda

Der ägyptische Literaturnobelpreisträger Nagib Machfus befürchtet, dass der Auftritt der arabischen Welt als Gastland der Frankfurter Buchmesse zur Propaganda-Veranstaltung staatlicher Organe werden könnte. Die Buchmesse verwehrt sich gegen jegliche Zensurmaßnahmen.

Frankfurt/Main/Kairo - Die Arabische Liga, die für die arabische Beteiligung verantwortlich ist, werde von den einzelnen Staaten unter Druck gesetzt, so Machfus. Sie soll in Frankfurt vom 6. bis 10. Oktober nur eine staatlich sanktionierte "Fassade" der arabischen Literatur präsentieren, schrieb der 92-Jährige in einem am Donnerstag veröffentlichten Kommentar der ägyptischen Wochenzeitung "Al-Ahram Weekly".

Machfus sei indes zuversichtlich, dass sich die Liga diesem Druck widersetzen werde. "Es ist wohl bekannt, dass die arabischen Regierungen Fassaden zeigen, die nur selten die Lebenswirklichkeit in ihren Ländern widerspiegeln", schrieb er. Der Erfolg des arabischen Auftritts bei der Messe sei nur garantiert, wenn man die Organisation "dieser bedeutenden Veranstaltung" den Intellektuellen übertrage und nicht den Regierungsvertretern, betonte der liberale Schriftsteller.

Machfus will selbst eine Rede für die Eröffnungsveranstaltung der Messe schreiben, die nach Auskunft der Frankfurter Buchmesse von einem Schauspieler vorgetragen werden soll. Der gebrechliche Nobelpreisträger, der 1994 bei einem Attentat islamischer Terroristen schwer verletzt wurde, reist ungern und hat Ägypten in den letzten Jahren nur selten verlassen. Seine Essays bringt er wegen gesundheitlicher Probleme schon seit Jahren nicht mehr selbst zu Papier, sondern diktiert sie einem Freund.

Die Frankfurter Buchmesse hält die von Mahfus geäußerte Gefahr für gering. "Wir lassen uns nicht auf Zensurmaßnahmen ein", sagte der stellvertretende Buchmessen-Direktor Holger Ehling am Donnerstag. Die Organisatoren der Arabischen Liga zeigten sehr große Offenheit. Es sei deutlich der Wille erkennbar, "den Exilautoren, den kritischen Stimmen" Raum zu geben. Zudem lebe eine große Anzahl der rund 150 Schriftsteller, die zur der Buchmesse kommen wollten, im Exil.

Nagib Machfus gilt als Wegbereiter moderner und sozialkritischer Erzählkunst in Ägypten. Er bekam den Literaturnobelpreis 1988 verliehen. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die "Kairoer Trilogie", "Midaq-Gasse" und "Die Kinder unseres Viertels". Im vergangenen Jahr erschien sein jüngster Roman "Der Rausch" (Unionsverlag) in Deutschland.

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