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13.10.2005
 

Reaktionen

"Beleidigung der Weltliteratur"

Die Auszeichnung Harold Pinters mit dem Literaturnobelpreis sorgt für unterschiedliche Reaktionen unter Literaturexperten: Marcel Reich-Ranicki lobte die Entscheidung der Schwedischen Akademie, Sigrid Löffler sprach von einer "bizarren Wahl".

Hamburg - Der Kritiker Denis Scheck bezeichnete die Vergabe des Nobelpreises an Pinter als "Beleidigung der Weltliteratur". "Man sollte sich überlegen, ob man den Preis nicht umbenennen soll in 'Auszeichnung für fahrendes Volk und Theater'", sagte Scheck der dpa. Die Jury habe sich "blamiert". Es gebe viele große lebende Autoren, "die in diesem Jahr wieder leer ausgegangen sind", so Scheck.

Die österreichische Literaturkritikerin Sigrid Löffler, Herausgeberin der Zeitschrift "Literaturen", nannte die Auszeichnung Pinters eine "bizarre Wahl". Er wäre "nicht im Entferntesten meine Wahl gewesen, abgesehen davon, dass er démodé ist", sagte Löffler der dpa.

Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hingegen nannte Pinters Ehrung "eine gute, eine richtige Entscheidung". Die Auszeichnung komme für den 75-Jährigen allerdings "etwas spät". Pinter sei ein "typischer Bühnenautor", der nicht nur bei den Kritikern Erfolg gehabt habe. "Sein Werk ist nicht mit dem Rücken zum Publikum geschrieben", sagte Reich-Ranicki der dpa. Pinters Arbeiten charakterisierten vor allem "die Darstellung des Alltags einsamer Individuen und das Bild der Bedrohung dieser Individuen durch irgendwelche nicht ganz klaren mysteriösen Elemente und Mächte".

Nach Ansicht der Berliner Fachzeitschrift "Theater heute" ist Pinter heute kaum noch präsent auf deutschen Spielplänen. "Da können Sie lange suchen", sagte "Theater heute"-Redakteur Franz Wille der dpa. Der Nobelpreis komme daher 30 Jahre zu spät, meinte der Theaterkritiker. In den sechziger und auch noch siebziger Jahren seien von den Texten Pinters wichtige formale und inhaltliche Impulse ausgegangen. "Die letzten Stücke waren längst nicht mehr auf alter Höhe", so Wille.

Sie sei "hoch erfreut", sagte die letztjährige Preisträgerin Elfriede Jelinek der "Kleinen Zeitung". "Noch ein Linker und ein wunderbarer Dramatiker. Ich werde sofort zu feiern beginnen."

Der tschechische Dramatiker und Ex-Präsident Vaclav Havel hat die Vergabe des Nobelpreises an Harold Pinter als "absolut verdient" bezeichnet. "Du weißt gar nicht, wie ich mich freue", schrieb der 69-Jährige, der mit Pinter eng befreundet ist, in einem Glückwunschtelegramm.

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