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25.11.2005
 

Neue deutsche Comics (4)

Dinter-Brüder - "Phat to Print"

Die Dinter-Brüder sind die unheiligen drei Könige der Comicszene. Ihre respektlosen "kleinen Mutterficker" brillieren mit einem absurden Gemisch aus Hessisch und eingedeutschtem HipHop-Slang. Der vorliegende Comic entstand exklusiv für SPIEGEL ONLINE.

Klicken Sie bitte auf das Bild, um den Comic zu starten







Dinter-Brüder: Die kleinen Mutterficker, 5 Bilder


Manche Geschichten glaubt einem kein Mensch. Zum Beispiel, dass die Stuttgarter Jan, Matthias und Stefan Dinter wirklich Brüder sind, seit über 20 Jahren Comics zusammen machen und kein noch so verlockender Auftrag aus der Film- und Medienbranche sie wirklich auseinander bringen konnte. Sie sind die unheiligen drei Könige der Comicszene. Ihre Helden tragen onomatopoetische Namen wie Bolf oder Knurf oder werden liebevoll "Die kleinen Mutterficker" genannt. Die Dinters arbeiten mit dem höheren und niederen Nonsens. Keine Pointe ist den dreien letztlich zu wild oder zu flach, um nicht doch irgendwo Verwendung zu finden.

Hunderte von Comics haben sie inzwischen produziert, einzeln, in unterschiedlichen Zweierverbindungen oder zu dritt, vom parodistischen Trash bis hin zum ernsthaften "Dr. Mabuse"-Remake. Die finden sich dann in Fanzines, bei Großverlagen wie Carlsen oder in so unterschiedlichen Magazinen wie der evangelischen Kinderzeitschrift "Benjamin" oder dem Teenie-Magazin "Yam" wieder.

Die Dinter-Brüder (mit Papa Dinter, vorne): Unheilige drei Könige
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Carmen Jonas

Die Dinter-Brüder (mit Papa Dinter, vorne): Unheilige drei Könige

Damit nicht genug, fühlen sich die Dinters auch in anderen Medien wohl. Matthias Dinter, 37, arbeitet als Drehbuchautor und Regisseur (u.a. "Die Nacht der lebenden Loser"), Jan Dinter, 35, als freier Redakteur und Übersetzer für Comics und Romane, Stefan Dinter, 37, als Grafiker, Layouter und Übersetzer.

Dreh- und Angelpunkt der Dinterschen Comicproduktion sind jedoch die Abenteuer der "kleinen Mutterficker". "Straight outta Heslach" versprach das erste Abenteuer - aber mit Lokalpatriotismus (Heslach ist ein Stadtteil von Stuttgart) hat der Comic nichts zu tun. Das widersinnige Verbalgemansch aus Hessisch, Dönersprech und eingedeutschtem HipHop-Slang ("Voll Straße, Alda!") der drei eingeschworenen Rap-Fans Kevin, Heiko und Dennis ist in ganz Deutschland unverständlich, nicht nur in Baden-Württemberg.

Neben dem gnadenlosen Entlarven der HipHop-Klischees macht vor allem die wunderbar sinnfreie Sprache den Großteil am Spaß an diesen Comics aus. Seit 2001 erscheinen im Magazin "Yam" wöchentliche "MuFi"-Strips. In Buchform erscheinen die Geschichten beim Hamburger Zwerchfell-Verlag.

Stefan Pannor

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