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30.05.2006
 

Heine-Preis

Handke fühlt sich falsch verstanden

Der designierte Heine-Preisträger Peter Handke fühlt sich von seinen Kritikern missverstanden: Er habe kein Massaker der Balkankriege geleugnet und er habe Slobodan Milosevic nicht als Opfer bezeichnet, sagte der österreichische Schriftsteller.

Frankfurt am Main - "Ich habe nie eines der Massaker in den Jugoslawienkriegen 1991 bis 1995 geleugnet oder abgeschwächt, verharmlost oder gar gebilligt", sagte Handke der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ"). Auch sei bei ihm nirgendwo zu lesen, er habe Milosevic als "ein" oder "das Opfer" bezeichnet, heißt es in einer Stellungnahme ("Was ich nicht sagte") des 63-Jährigen zu einem kritischen Kommentar der Zeitung zur geplanten Verleihung des Heinrich-Heine-Preises an Handke.

Schriftsteller Handke: "Was ich nicht sagte"
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DPA

Schriftsteller Handke: "Was ich nicht sagte"

Handke betonte, er habe sich im Februar 1999 vor der Kamera des Belgrader Fernsehens "verhaspelt", als er in unzulänglichem Französisch gesagt habe, die Serben seien noch größere Opfer als die Juden. Als er das Band abgehört habe, habe er dies schleunigst schriftlich korrigiert, sagte Handke. Der Text sei auch von großen Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt worden.

Handke bat in er der "FAZ" darum, seine in den vergangenen 15 Jahren zum Thema Jugoslawien veröffentlichten Stücke, Texte Erzählungen und Berichte "Wort für Wort" gelesen werden sollten, um Missverständnissen vorzubeugen. Es gebe noch "Bücher zu lesen jenseits der Zeitungen", so Handke.

Im März hatte Handkes Teilnahme an dem Begräbnis des ehemaligen jugoslawischen Staatschefs Milosevic für Kontroversen gesorgt. Er habe bei dem Begräbnis Milosevics, der vor dem Den Haager Kriegsverbrecher-Tribunal angeklagt war, Zeuge sein wollen, sagte Handke damals. Er habe auf den Tod des Ex-Staatschefs "nicht mit Genugtuung reagiert". Er gestand, "so etwas wie Kummer empfunden zu haben".

Der Heinrich-Heine-Preis zählt zu den bedeutendsten Literatur- und Persönlichkeitspreisen in Deutschland. Er wird seit 1972 verliehen. In diesem Jahr wurde die Dotierung auf 50.000 Euro erhöht. Handke wurde bekannt mit Werken wie "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter", "Ritt über den Bodensee", "Die Unvernünftigen sterben aus" oder "Der kurze Brief zum langen Abschied". Während die literarische Leistung Handkes unbestritten ist, geriet der Dichter immer wieder in die Kritik, nachdem er mehrmals öffentlich für den serbischen Diktator Milosevic Partei ergriffen hatte.

Aufgrund dieser Kontroverse denkt der Schriftsteller Günter Kunert darüber nach, seinen Heine-Preis zurückzugeben, sollte der Preis an Handke verliehen werden. Er begreife nicht, wie Menschen nach der deutschen Geschichte mit Handke "den Barden eines Diktators preisen" könnten, sagte Kunert, der die Auszeichnung 1985 erhalten hatte, im Deutschlandradio Kultur. Die Ehrung Handkes sei eine Groteske.

Der Vorgang zeige, dass die deutsche Geschichte noch nicht bewältigt sei. Eine Ausgrenzung Handkes gebe es keineswegs, betonte der Schriftsteller: "Der wird überhaupt nicht ausgestoßen. Es ist in Deutschland doch der Fall, dass Leute, die wie Handke gegen den so genannten Mainstream schwimmen, beglückwünscht werden." Dabei sei der Mainstream nicht mehr als ein "dürftiges Bächlein". Mit Heine habe diese Preisverleihung nichts zu tun.

bor/ddp

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