Frankfurt/Main - Hackers Roman erzähle "die Geschichte von Haben und Sein neu", hieß es in der Begründung der siebenköpfigen Jury. Die Autorin führe ihre Helden in einer flirrenden, atmosphärisch dichten Sprache durch Geschichtsräume und in Problemfelder der unmittelbarsten Gegenwart. "Ihre Fragen sind unsere Fragen: Wie willst du leben? Was sind deine Werte? Wie sollst und wie kannst du handeln?" Die Qualität des Romans bestehe darin, "diese Fragen in Geschichten aufzulösen, die sich mit den plakativen Antworten von Politik und Medien nicht zufriedengeben", so lautete die Laudatio für die 39-jährige Schriftstellerin Katharina Hacker am Montagabend im Frankfurter Römer.
Ihr Roman, "Die Habenichtse", erzählt die Geschichte des jungen Paares Jakob und Isabelle. Am 11. September 2001 verlieben die zwei sich ineinander. Sie heiraten und ziehen nach London, wo Jakob eine Stelle als Anwalt gefunden hat. Matreriell fehlt es ihnen an nichts, und dennoch treiben sie ziellos hin und her und lassen, dass ihr Leben mehr und mehr aus den Fugen gerät. Das Werk hatte bei der Jury-Entscheidung insgesamt 119 weitere Titel aus dem Rennen geschlagen, allesamt deutschsprachige Romane, die zwischen dem 1. Oktober 2005 und dem 12. September 2006 erschienen waren. Katharina Hacker wurde 1967 in Frankfurt am Main geboren. Sie studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik und arbeitete mehrere Jahre in Israel.
Im Finale konkurrierte ihr Roman schließlich noch gegen fünf Autoren und ihre Bücher: Thomas Hettche ("Woraus wir gemacht sind"), Ingo Schulze ("Neue Leben"), Sasa Stanisic ("Wie der Soldat das Grammophon repariert"), Ilja Trojanow ("Der Weltensammler") und Martin Walser ("Angstblüte"). Während die übrigen Nominierten an der Preisvergabe vom teilnahmen, hatte sich Walser entschuldigen lassen. Der Jury gehörten in diesem Jahr die Schriftsteller John von Düffel und Terezia Mora an, die Journalisten Elmar Krekeler ("Die Welt"), Volker Hage ("Der Spiegel") und Denis Scheck ("Deutschlandfunk"), die Literaturkritikerin Pia Reinacher sowie der Buchhändler Stephan Samtleben.
Der Preis wurde zum zweiten Mal vergeben. Im vergangenen Jahr ging die mit 25. 000 Euro dotierte Auszeichnung an den österreichischen Autor Arno Geiger für "Es geht uns gut". Die übrigen fünf nominierten Schriftsteller erhalten jeweils 2.500 Euro. Der Deutsche Buchpreis orientiert sich an Vorbildern wie dem englischen Man Booker Prize und dem französischen Prix Goncourt. Er soll jedes Jahr als Auszeichnung für den besten deutschsprachigen Roman vergeben werden. Um Unabhängigkeit und Transparenz bei der Preisvergabe zu sichern, wurde eine "Akademie Deutscher Buchpreis" berufen. Die elf Mitglieder kommen aus der Buch- und Medienbranche.
Jeder Verlag aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kann sich mit zwei deutschsprachigen Romanen aus seinem aktuellen oder geplanten Programm um die Auszeichnung bewerben. Die Jury sichtet die Einsendungen, sie kann auch zusätzliche Titel anfordern, die sie für geeignet hält. Der Branchenverband verleiht die Auszeichnung jährlich zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse.
fok/AP/Reuters/dpa
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