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Neues von Grass Der Dichter und die Henker

2. Teil: Zurückhaltung? Kein Wort davon!

Nicht nur dass Grass bei der Wahl der Begriffe zielsicher daneben und in die Kiste des NS-Vokabulars griff, er machte klar, was er von Kritikern hält, die sich nicht damit zufrieden geben, dem Dichter Lorbeerkränze zu flechten. Er hat schon immer mimosenhaft auf Kritik reagiert, und weil ihm nicht genug "Respekt" im eigenen Land gezollt wurde, ist er vorübergehend nach Kalkutta verzogen, wo er es – Respekt hin oder her – nur ein paar Monate aushielt.

Man erkennt einen autoritären Charakter am besten daran, dass er anderen verübelt, was er ganz selbstverständlich praktiziert. Was der Herr darf, das darf der Bauer noch lange nicht.

Grass ist ein Herr, der dem Plebs das Recht einräumt, ihn zu bewundern, aber nicht, ihn zu kritisieren. Wer es dennoch wagt, unternimmt einen "Vernichtungsversuch". Würde ein Koch auf eine Kritik an seinen Künsten genauso reagieren, müsste er damit rechnen, dass die Kundschaft ausbleibt. Bei Grass funktioniert es umgekehrt: Seine Fans scharen sich um ihn, als ginge es darum, ein baufälliges Denkmal vor dem Einsturz zu retten.

Grass selbst hat sich nie Zurückhaltung aufgelegt, weder im Umgang mit Fakten noch mit Emotionen. Er nannte die DDR eine "kommode Diktatur", ohne zu bedenken, wie so ein Satz bei jemandem ankommt, der tatsächlich einen "Vernichtungsversuch" in einem Stasi-Gefängnis überlebt hat. Er hatte Bedenken gegen die Auflösung der DDR, denn die deutsche Teilung war für ihn die "Strafe für Auschwitz". Warum aber nur die DDR-Deutschen für Auschwitz büßen sollten, behielt er für sich.

Dafür war er immer extrem großzügig, wenn er Geschenke verteilen konnte, die er nicht bezahlen musste. Er empfahl, eine Lübecker Kirche in eine Moschee zu verwandeln, und er gab die Parameter für die Lösung des Nahostkonflikts vor. "Israel muss aber nicht nur besetzte Gebiete räumen", sagte er in einem Interview, "auch die Besitznahme palästinensischen Bodens und seine israelische Besiedlung ist eine kriminelle Handlung. Das muss nicht nur aufhören, sondern rückgängig gemacht werden. Sonst kehrt dort kein Frieden ein."

So ähnlich sehen es auch die Hamas und die Hisbollah, die nicht nur die "besetzten Gebiete", sondern ganz Palästina von der zionistischen Besatzung befreien möchten. Seine Empfehlung verband Grass mit der Versicherung, er erlaube sich, "das Land zu kritisieren, weil ich ihm helfen will". Dies sei auch ein "Freundschaftsbeweis Israel gegenüber".

Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde mehr. Und wer wissen will, wo die Dichterei aufhört und die larmoyante Selbstverklärung anfängt, der wird ebenfalls von Grass bedient.

"Spät, sagen sie, zu spät./ Um Jahrzehnte verspätet./ Ich nicke: Ja, es dauerte,/ bis ich Wörter fand/ für das vernutzte Wort Scham."

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