Von Jörg Oberwittler
"Mehr Licht", soll Deutschlands wohl berühmtester Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe auf dem Sterbebett gehaucht haben, mit der Bitte, die Fensterläden aufzureißen. Ein geflügeltes Wort, das eines großen Denkers würdig und in die Geschichte eingegangen ist. Bei genauerer Recherche entpuppt sich die bis 1928 gängige Anekdote, die von Goethes Freunden in die Welt gesetzt worden ist, jedoch als Finte.
Dabei stellte der 68-Jährige fest: Oftmals verdichtet sich in den Abschiedsworten die gesamte Lebenseinstellung eines Menschen. Der ironische Witz eines Heinrich Heine, die Lebensmüdigkeit einer Marilyn Monroe oder der Enthusiasmus eines Otto Lilienthals für seinen großen Traum vom Fliegen. Doch mit dem Einzug der modernen Technik in die Medizin sind die vollmundig artikulierten Gedanken am Totenbett rar geworden. Neun von zehn Menschen sterben mittlerweile im Krankenhaus, häufig angeschlossen an Maschinen, und gehen damit ohne einen Abschiedsspruch zu hinterlassen.
Wie in dreitausend Jahren überlieferter Menschheitsgeschichte das letzte Stündlein ausklang, lässt sich in Halters Buch nachlesen. Der Autor selbst hat sich noch keine Gedanken gemacht, was er auf dem Sterbebett sagen will: "Mir ist das Einfache, Ungekünstelte näher. Am liebsten würde ich ohne letzte Worte sterben, zum Beispiel im Schlaf oder auf dem Motorrad mit den Haaren im Wind."
SPIEGEL ONLINE hat eine Auswahl der originellsten Abschiedszitate zusammengestellt:
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