Frankfurt/Main - Verliehen wird die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung am 14. Oktober im Rahmen der Frankfurter Buchmesse. Wie die Jury erklärt, ehre der Börsenverein damit "den epischen Erzähler der Geschichte der Shoah, der Verfolgung und der Vernichtung der Juden in der Zeit nationalsozialistischer Herrschaft in Europa". Friedländer sei "einer der letzten miterlebenden und mitlebenden Historiographen" des Völkermordes. Seine Bücher seien "dokumentarisch genau, stilsicher und mitleidend."
Historiker Friedländer: "Den Vebrannten Namen geschenkt"
Als Politikwissenschaftler unterrichtete er in Genf, Tel Aviv und Los Angeles. Als seine bedeutendste Publikation gilt das zweibändige Werk "Das Dritte Reich und die Juden", das auf Deutsch 1998 und 2006 veröffentlicht wurde. "Saul Friedländer hat den zu Asche verbrannten Menschen Klage und Schrei gestattet, Gedächtnis und Namen geschenkt", schreibt die Jury in ihrer Begründung. Für das Werk wurde der 74 Jahre alte Holocaust-Forscher mit dem Geschwister-Scholl-Preis 1998 ausgezeichnet. Friedländers Anliegen ist es, ein „Gefühl der Entfremdung zu erzeugen, welches der Neigung entgegenwirkt, mittels nahtloser Erklärungen und standardisierter Wiedergaben diese Vergangenheit zu domestizieren und ihre Wirkung abzuschwächen.“
Der seit 1950 vergebene Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist eine der bedeutendsten Auszeichnungen in Deutschland. Mit dem Preis wird eine Persönlichkeit aus dem In- oder Ausland geehrt, die vor allem auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat.
Verliehen wird der Preis jedes Jahr zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse im Oktober. Träger ist der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der Dachverband der deutschen Buchbranche.
Traditionsgemäß findet die Ehrung in der Frankfurter Paulskirche statt, wo 1848 die für die demokratische Entwicklung Deutschlands bedeutende Nationalversammlung tagte.
Die Preisträger werden von einem Stiftungsrat mit einfacher Mehrheit gewählt. Der Rat setzt sich aus Mitgliedern des Börsenvereins sowie Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft zusammen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Albert Schweitzer (1951), Hermann Hesse (1955), Astrid Lindgren (1978), Siegfried Lenz (1988) und Vaclav Havel (1989).
Um Preisträger hat es wiederholt Auseinandersetzungen gegeben. 1995 war das Votum für die Annemarie Schimmel umstritten, Kritiker warfen der Orientalistin mangelnde Distanz zum islamischen Fundamentalismus vor. Eine Kontroverse löste auch 1997 Günter Grass aus, als er in seiner Laudatio auf den türkischen Preisträger Yasar Kemal die deutsche Kurdenpolitik kritisierte.
1998 schließlich sorgte Preisträger Martin Walser mit seiner Rede für einen Skandal, dem eine monatelange Diskussion über den Umgang mit der NS-Vergangenheit in Deutschland folgte.
dan/dpa
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