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30.07.2007
 

Taschenbuch-Bestseller

Kampf gegen das korrupte Grauen

Der Kampf gegen Kinderprostitution und Menschenhandel ist hart und voller Rückschläge. Das Ergebnis: "Ich misstraue sogar den Menschen, die ich liebe", schreibt Somaly Mam in ihrem beklemmenden Buch "Das Schweigen der Unschuld".

1971 in Kambodscha geboren, lernte die kleine Somaly nie ihre Eltern kennen und wuchs in einer Pflegefamilie auf. Mit sechs Jahren wurde sie an einen Bekannten der Familie als Haushaltshilfe verkauft, mit zwölf zum ersten Mal vergewaltigt. Mit vierzehn wurde sie weiterverkauft und zu einer Heirat gezwungen. "Mein Ehemann war oft betrunken, er hat mich geschlagen und vergewaltigt und mit einer Pistole auf mich gefeuert. Die Schüsse verfehlten nur knapp meinen Kopf und meine Füße", erinnert sie sich. Irgendwann schoss sie mit derselben Waffe zurück – und wurde von ihrem Peiniger rasch in ein Bordell gegeben. Täglich fünf, manchmal sechs Kunden musste sie dort zu Willen sein; vor allem Soldaten und Polizisten.

Mam-Cover: "Ich habe so viele grausige Dinge gesehen"
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Mam-Cover: "Ich habe so viele grausige Dinge gesehen"

Die Demütigungen und Schläge ließen sie resignieren. Sie musste miterleben, wie andere Leidensgenossinnen gefoltert wurden. "Die Leute lachen über Prostitution und tun es als ältestes Gewerbe der Welt ab, aber ich habe so viele grausige Dinge gesehen", sagt sie. "Die Mädchen wurden angekettet und mit Elektrokabeln geschlagen, bei einer wurde versucht, einen Nagel in ihren Kopf zu hämmern, weil sie versucht hatte zu flüchten. Viele waren mit Aids und TBC infiziert", schildert Mam. Zwei oder drei Mal versuchte sie sich umzubringen.

Erst mit der Hilfe eines Europäers gelang es Mam, sich aus den Fängen der Prostitution zu befreien. Sie ging mit ihrem Vertrauten für einige Zeit nach Frankreich, kehrte in ihr Geburtsland zurück und brachte 1995 ihre Tochter Titi zur Welt. Zusammen mit ihrem französischen Mann und einem ehemaligen Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" gründete sie 1996 die Hilfsorganisation AFESIP (Agir pour les femmes en situation précaire), die seit 1997 von UNICEF unterstützt wird.

Beim Aufbau von AFESIP gelang es Mam, nicht nur nationale Medien, sondern auch die internationale Öffentlichkeit einzubinden. Heute zählt die Organisation mit Dependancen in Thailand, Vietnam und Laos rund 150 Mitarbeiter, 70 davon sind in Kambodscha tätig. Doch Mams Kampf ist hart: Sie selbst wurde immer wieder bedroht, ihre Einrichtung, die über die Jahre tausenden Mädchen und Frauen zu einem neuen Leben, Ausbildung und Jobs verholfen hat, wurde wiederholt zur Zielscheibe von Angriffen und Überfällen.

Größte Herausforderung für sie ist die Korruption: "Ich filmte eine Razzia in einem Bordell – die Polizei hatte klare Beweise, dass dort Kokain gehandelt wurde. Aber bei der Gerichtsverhandlung meinte der Richter, der gefundene Stoff sei nur Mehl." Einmal sei ein deutscher Pädophiler in flagranti gefasst worden, Filmmitschnitte wurden als Beweismittel dem Gericht vorgelegt, doch der Mann wurde nach Zahlung einer moderaten Geldstrafe freigesprochen. Immer wieder wird die Aufklärung von haltlosen Zuständen von hochrangigen Politikern oder einflussreichen Personen sabotiert.

Für ihr Engagement hat Somaly Mam den vom spanischen Kronprinzen überreichten Prinz von Asturien-Preis für Internationale Zusammenarbeit erhalten. Bei der Eröffnungsfeier der olympischen Winterspiele 2006 trug sie zusammen mit Sophia Loren und Susan Sarandon die Flagge ins Stadion. 2006 wurde sie von der amerikanischen Zeitschrift "Glamour" in der New Yorker Carnegie Hall als "Frau des Jahres" ausgezeichnet.

Helge Rehbein, Buchreport


Somaly Mam: "Das Schweigen der Unschuld", 8,95 Euro, Ullstein

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