Ingolstadt - Wie der "Donaukurier" in seiner morgigen Ausgabe berichtet, wurde beim Landgericht München Klage gegen Andrea Maria Schenkel eingereicht. Ihr Schriftsteller-Kollege Peter Leuschner fordert wegen Urheberrechtsverletzung einen sofortigen Stopp des Romanvertriebs und Schadensersatz. Außerdem verlangt er, dass alle noch verfügbaren Exemplare des Buches vernichtet werden. Der geschätzte Streitwert beträgt laut Bericht 500 000 Euro.
Bereits im Frühjahr hatte der Hamburger Verlag Edition Nautilus, bei dem "Tannöd" 2006 erschien, Leuschners Vorwürfe zurückgewiesen, wonach der Kriminalroman ein Plagiat seiner eigenen Bücher zu einem authentischen Mordfall sein soll.
Leuschner wirft der Autorin vor, sie habe die Charakterisierung der Figuren von ihm übernommen. "Das ist vollkommen abwegig", erklärte der Verlag - Leuschner habe ein dokumentarisches Sachbuch verfasst, wohingegen Schenkel ein literarisches Werk geschaffen habe. Auch Schenkel hatte die Beschuldigung als "bodenlose Frechheit" zurückgewiesen. Sie habe alle betroffenen Passagen im Staatsarchiv Augsburg recherchiert, sagte sie in einem Interview.
Sowohl Leuschners Bücher "Hinterkaifeck. Deutschlands geheimnisvollster Mordfall" (1978) und "Der Mordfall Hinterkaifeck" (1997) als auch Schenkels preisgekrönter Roman basieren auf einem realen Ereignis aus dem Jahr 1922: Damals brachte auf einem oberbayrischen Einödhof ein bis heute unbekannter Mörder sechs Menschen um. Auf den Stoff aufmerksam wurde Schenkel nach eigenen Angaben durch einen Zeitungsartikel.
amz/dpa
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