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03.09.2007
 

Auszeichnungen

Wilhelm Genazino erhält Kleist-Preis

Wilhelm Genazino gilt als einer der großen Romanciers der Gegenwart. Seine Werke handeln vom Alltag, von Verlierern und Freaks. Jetzt erhält der Mann, der das Wort "Liebesblödigkeit" erfunden hat, den Kleist-Preis.

Berlin - Dem "Börsenblatt" sagte der Schriftsteller Wilhelm Genazino einmal, seine Lieblingsbeschäftigung sei "unbestimmtes Warten", sein Hauptcharakterzug "unendliches Abwägen".

Schriftsteller Genazino: "Unbestimmtes Warten, unendliches Abwägen"
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DPA

Schriftsteller Genazino: "Unbestimmtes Warten, unendliches Abwägen"

Zumindest für die Jury der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft hat das Warten und Abwägen nun vorläufig ein Ende: Genazino erhält den Kleist-Preis 2007. Vorgeschlagen hat ihn der Schauspieler Ulrich Matthes. Der mit 20.000 Euro dotierte Preis wird am 25. November im Berliner Ensemble übergeben. Die Laudatio hält Matthes.

Einen Namen machte sich der 64-jährige Schriftsteller vor allem als ironischer Chronist, als Beobachter des deutschen Alltags und der Angestelltenwelt mit ihren Anti-Helden und Sonderlingen. Kritiker lobten oft seine Gratwanderung zwischen Schmerz, Melancholie, Ironie. In seinen Reden, Essays und Aufsätzen thematisiert der Schriftsteller indes aktuelle gesellschaftspolitische Debatten: Kulturpolitik ebenso wie ausländerfeindliche Gewalt.

Wilhelm Genazino wurde 1943 in Mannheim geboren und lebt heute in Frankfurt am Main. Er begann seine berufliche Laufbahn als Journalist, schrieb unter anderem für das satirische Monatsmagazin "Pardon" und wurde 1977 mit der "Abschaffel"-Trilogie bekannt. Seitdem veröffentlichte er unter anderem die Romane "Falsche Jahre" (1979) und "Leise singende Frauen" (1992) sowie zuletzt die Essaysammlung "Der gedehnte Blick" (2004). Ein Erfolg gelang ihm 2003 mit "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman" über die Wünsche eines 17-jährigen Kaufmannslehrlings als Ich-Erzähler, der in der ausgehenden Adenauer-Ära seinen Lebensweg sucht.

2004 erhielt der Schriftsteller in Darmstadt den Georg-Büchner-Preis, die angesehenste Literatur-Auszeichnung in Deutschland. Die Akademie würdigte damit das Schaffen des Schriftstellers in den letzten Jahrzehnten. Weitere wichtige Auszeichnungen: Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1998) und Kunstpreis Berlin (2003). Zuletzt wurde Genazino mit dem Corine-Belletristik-Preis 2007 für seinen in diesem Jahr erschienenen Roman "Mittelmäßiges Heimweh" ausgezeichnet.

Der renommierte Kleist-Preis ist mit 20.000 Euro dotiert, die Preissumme wird von der Kulturstiftung der Deutschen Bank und der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gestiftet. Frühere Preisträger waren unter anderem Bertolt Brecht, Robert Musil, Heiner Müller, Alexander Kluge und Daniel Kehlmann.

ssu/dpa

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