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20.09.2007
 

Fantasy-Autor Dahlquist

Frankensteins Erbe

Von Marc Pitzke, New York

2. Teil: So dicht wie Dickens

Wer sagt also, dass Kunst brotlos sein muss? Jahrzehntelang hat er seine spleenigen Ideen am Off-Off-Broadway ausgelebt. Aufgewachsen als Sohn eines Soldaten, der nach Vietnam zog, als er selbst ein Baby war, war Dahlquist 1988 nach New York gekommen, um an der Columbia University Dramaturgie zu studieren.

Um sich über Wasser zu halten, jobbte er bei der Uni-Verwaltung und war einer der Ersten, die sich um die Vernetzung des Campus mit dem damals noch jungen Internet kümmerten. Der Dramatiker in spe wurde Tech-Experte.

Die Auswirkung von Technologie auf den Menschen fasziniert ihn seit jeher - und ist nun ein roter Faden in "Traumfresser": "Wie verändert uns Technologie? Wie verändert sie Kommunikation, Beziehungen, Gefühle?" Die "Glasbücher" sind nichts anderes als neue Technologie, die in falsche Hände gerät.

Gehirnwäsche für sinistre Zwecke: ein zeitloses Thema. Kombiniert mit einer Hetzjagd durch eine kafkaeske Welt, wo nichts ist, was es scheint, macht es "Traumfresser" zur Parabel auf unsere Zeiten, wo Folter politisch salonfähig ist und Geheimdienste Menschenversuche anstellen. In erster Linie aber sorgt es für tollen Lesespaß - sofern man den Marathon durchhält.

"Sherlock Holmes und 'Eyes Wide Shut'"

Denn dieser Klops von einem Buch eignet sich nicht für den Strand. So dicht wie Dickens, ist er Schweißarbeit für den Leser, der Dutzende Akteure auseinanderhalten muss, mit Namen wie Roger Bascombe, Madame Lacquer-Sforza und Comte d'Orcankz. Wer schnell liest, verpasst die Hälfte des Plots. Zum Glück gibt Blanvalet "Traumfresser" auf Deutsch parallel auch als zehn "Pfennigromane" im Schuber heraus, wie zu viktorianischen Zeiten beliebt.

In den USA wurde "Traumfresser" schnell mit Klassikern verglichen. "Publishers Weekly" nannte es eine "Mischung aus Jules Verne und Frankensteins Braut", die "Washington Post", sah "Anklänge an Sherlock Holmes und 'Eyes Wide Shut'", Stanley Kubricks letzten Film. Ein Hollywood-Studio hat jetzt die Rechte gekauft. Darüber darf Dahlquist aber noch nicht reden: "Die wollen das selbst bekanntgeben."

Den zweiten Band, die direkte Fortsetzung von "Traumfresser", hat er gerade erst an diesem Nachmittag fertiggestellt. "Hier", sagt er und klopft auf seine Laptop-Tasche. Der Folge-Roman soll im Frühjahr erst in Großbritannien erscheinen und im Herbst 2008 in den USA.

Ansonsten hat sich das Leben des frischgebackenen Multimillionärs wenig verändert. Er lebt weiter im selben Apartment an der Ninth Avenue. Er sitzt weiter im Cupcake Café. Er schreibt weiter Theaterstücke, im Moment eines über den Irak-Krieg. Und er fragt sich: "Wie findet man nach so etwas ins normale Leben zurück?"

Eine Frage, die sich Miss Temple schon im ersten Kapitel stellt.

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