Von Stefan Pannor
Bei so einem Studentenjob horcht man auf: Dorota Grabarczyk und Olga Andryienko veröffentlichen Mangas. "Indépendent" heißt ihr jüngstes Werk, und es war gerade für den Sondermann-Comicpreis der Frankfurter Buchmesse nominiert. Mit Kleinkram geben sie sich nicht zufrieden: Die wilde Komödie um eine Mafia-Tochter auf der Flucht ist als Trilogie angelegt. Sie erscheint bei Egmont Manga & Anime, einem der renommiertesten Comic-Verlage Deutschlands.
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DuO: "Ai No Tenshi" - 26 Bilder
600 Seiten Slapstick, produziert neben dem Uni-Alltag. Denn Dorota studiert Kunstgeschichte in Bonn (fünftes Semester), Olga Kommunikationsdesign in Hamburg (drittes Semester). Treten sie als Künstler zusammen auf, nennen sie sich DuO. Dazu kommen ihre jeweils eigenen Künstlernamen. Dorota nennt sich auch Reami, Olga ist Asu. Es sind die Namen, mit denen sie auch ihre Werke signieren. Und das kommt ziemlich oft vor, denn die Freizeit der beiden Studentinnen geht oft dafür drauf, durch die halbe Republik zur nächsten Signierstunde zu fahren.
Schon seit Schultagen entwerfen Dorota und Olga ihre Geschichten zusammen, seit sie sich in einer Rock'n'Roll-AG am Gymnasium in St. Augustin bei Bonn kennenlernten. Inzwischen haben sie vier Bücher veröffentlicht, dazu diverse Kurzgeschichten. Eine klare Arbeitsteilung hilft bei der Produktion über die weite Entfernung hinweg, die seit Studienbeginn zwischen ihnen liegt: Die Geschichten entwickeln beide zusammen, gezeichnet wird jeder Manga von Olga allein.
In Deutschlands Manga-Szene fallen DuO auf, weil sie sich selbst nicht so ernst nehmen. Während viele ihrer Kolleginnen am Zeichnertisch bedeutungsschwer von erster Liebe und Schulalltag oder von Fantasy-Heldinnen erzählen, können Olga und Dorota vor lauter Kichern oft nicht an sich halten: "Wir können einfach nicht ernst bleiben", sagt Dorota. "Das hat schon früher nicht geklappt, als wir uns zusammen auf Asus Couch Geschichten ausgedacht haben."
Das sieht man schon an ihrer ersten langen Erzählung "Mon-Star Attack". Der Buch-Zweiteiler, der DuO den Durchbruch in der Manga-Szene bescherte, kommt ohne einen wirklichen Helden aus, verfügt dafür aber über einen erzbösen Schurken mit Puschelohren und Sprachfehler. Eine Multifunktions-Mülltonne übernimmt gleich zwei der Hauptrollen. Nonsens allerorten: "Indépendent", das Folgeprojekt, beleuchtet die Mafia-Klischees von der kuscheligen Seite. Süße Jungs inbegriffen, die der geldliebenden Hauptfigur Épicé allerorten in die Quere kommen.
Nebenbei durften die zwei auch schon den Klassiker des Kleinmädchenkitsches in die Pfanne hauen. 2004 und 2005 schufen sie zwei offizielle "Wendy"-Comics für Sonderausgaben des legendären Pferdemagazins.
Und selbst der Überklassiker des deutschen Comics ist nicht vor ihnen sicher. Für die Ausstellung und das Buch "Wilhelm Busch und die Folgen" (Wilhelm-Busch-Museum Hannover) schufen sie eine Neuerzählung des Busch-Moritats "Die beiden Enten und der Frosch".
Inzwischen sind sogar Hörspiele zu "Mon-Star Attack" in Produktion. Außerdem steht der Abschlussband von "Indépendent" an, danach wollen die Künstlerinnen eventuell Soloprojekte verwirklichen. Zum Auftakt der SPIEGEL-ONLINE-Serie über junge deutsche Manga-Zeichnerinnen präsentieren sie zusammen die bisher unveröffentlichte Geschichte "Ai No Tenshi".
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