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18.11.1999
 

Marokko

US-Autor Paul Bowles gestorben

Der amerikanische Schriftsteller, der am Dienstag schwerkrank in ein Krankenhaus in Tanger eingeliefert worden war, ist im Alter von 89 Jahren in seiner Wahlheimat gestorben. Berühmt wurde Bowles mit seinem Roman "Himmel über der Wüste", den Bernardo Bertolucci später verfilmte.

Der amerikanische Starautor Paul Bowles
AP

Der amerikanische Starautor Paul Bowles

Madrid/Tanger - Mit dem Schriftsteller Paul Bowles hat Tanger seinen prominentesten "Fremden" verloren. Der 89-Jährige, der mit dem Roman "Der Himmel über der Wüste" international berühmt geworden war, starb am Donnerstag in der weißen Stadt an Afrikas Nordspitze. Dies meldete der Rundfunk im benachbarten Spanien. Bowles war am Dienstag schwer krank in das italienische Krankenhaus der Stadt eingeliefert worden und aus dem Koma nicht mehr erwacht.

Er hatte seit 1947 in Tanger gelebt, sich dort zu Hause gefühlt und war doch durch und durch Amerikaner geblieben. "Ich war hier immer ein Ausländer und versuche auch gar nicht, etwas anderes zu sein", sagte der 1910 in der Nähe von New York als Sohn eines Zahnarztes und einer deutschstämmigen Mutter geborene Bowles einmal in einem Interview.

Von seiner Heimat sprach er nur mit Abscheu. Er bezeichnete sie als "fürchterlich" oder "grauenhaft". "Wenn ich mich nicht operieren lassen müsste, wäre ich nie in die USA zurückgekehrt", sagte er bei einem Krankenhausaufenthalt vor vier Jahren. Dass der Schwerkranke am Ende seiner Tage ärztliche Hilfe in der so gehassten "zivilisierten Welt" suchte, mag eine der Ironien seines Schicksals sein.

In dem Spannungsfeld zwischen westlicher Tradition und der ursprünglicheren Zivilisation Afrikas oder Lateinamerikas sind die meisten Werke von Bowles angesiedelt. Die neue Heimat Marokko, die er gründlich erforschte, und seine Erfahrungen auf Reisen in die entlegensten Winkel der Erde lieferten ihm den Stoff und die Kulisse. Bekannt wurde Bowles mit seinem Roman "Der Himmel über der Wüste" aus dem Jahr 1949, der für ihn den Durchbruch bedeutete. 1990 brachte Bernardo Bertolucci den Stoff unter dem gleichen Titel mit großem Erfolg auf die Leinwand.

In Europa sind Bowles' Romane zu spätem Ruhm gekommen. Seine Bücher mit Helden, die mit der Leere des Lebens ringen und gegen Einsamkeit und Rastlosigkeit kämpfen, fanden erst viele Jahre nach ihrer Entstehung ihren Leserkreis. Weitere bekannte Romane von Bowles sind "Gesang der Insekten" (1966) und "Das Haus der Spinne" (1955). Daneben schrieb er Kurzgeschichten und Erzählungen.

In Tanger, der bis 1956 international verwalteten Stadt, war der selbstironische Dandy schon zu Lebzeiten eine Legende. Sein kleines Appartement in einem Außenbezirk der Stadt, wo er seit 1955 wohnte, war Treffpunkt vieler Schriftsteller seines Landes, von Tennessee Williams über William Burroughs bis zu Truman Capote, ohne dass er sich als deren Mentor fühlte.

In die weiße Stadt hatte es Bowles zuerst 1931 verschlagen. Die Empfehlung kam in seiner damaligen Wahlheimat Paris von Gertrude Stein, die ihn jedoch für schriftstellerisch unbegabt hielt und ihm riet, die Welt zu erkunden. Dann kehrte er in die USA zurück und beschäftigte sich zunächst mit dem, was er als langjähriger Schüler des Komponisten Aaron Copland gelernt hatte: Er schrieb Bühnen- und Ballettmusiken und arbeitete mit Orson Welles, Leonard Bernstein oder Salvador Dalí zusammen.

Vergessen schienen seine ersten Versuche in Paris mit surrealistischen Gedichten, bis Bowles schließlich durch die Schriftstellerin Jane Auer zur Literatur zurückfand. Er hatte sie 1938 geheiratet, und neun Jahre später ließ sich das Paar in Tanger nieder. Seine Frau erlitt 1957 einen Schlaganfall, von dem sie sich nie richtig erholte, und starb 1973 in einer psychiatrischen Klinik in Malaga. Seitdem war es still geworden um Bowles. In den letzten Jahren seines Lebens verließ er seine Wohnung in der Altstadt Tangers praktisch nicht mehr. Wegen eines Hüftleidens konnte er nicht mehr gehen.

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