Hamburg - Ihre Songs sind zugleich kritisch und eingängig, Hits wie "Guten Tag", "Denkmal" und "Gekommen um zu bleiben" stürmten die Charts. Die Band erhielt mehrere Auszeichnungen, ihre Konzerte sind meist ausverkauft. Die Höhen - aber auch einige Tiefen - ihrer gemeinsamen Geschichte haben die Musiker in dem Buch "Wir sind Helden" festgehalten, das seit heute auf dem Markt ist.
Das Buch mit dem Untertitel "Informationen zu Touren und anderen Einzelteilen" basiert auf einem von Sängerin Judith Holofernes im Internet geführten Tour-Tagebuch und wurde um aktuelle Interviews ergänzt. "Wir haben alles kommentiert und so Schwerpunkte geschaffen", sagt Bassist Mark Tavassol im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP.
Und eben ein solcher Schwerpunkt sind die absurden Angebote, die die Band erhalten hat. So wollte eine Sportwagen-Firma mit Frontfrau Holofernes einen Werbespot drehen. "Das Schönste war, dass den Leuten meine konsumkritische Haltung sehr wohl bewusst war und sie darauf hinwiesen, dass es ihnen um den 'reizvollen' Kontrast zwischen meiner Überzeugung und diesem hochwertigen Gefährt gehe", sagt Holofernes. Und fügt hinzu: "Ich kann nicht mal Auto fahren."
Und natürlich hätten zu Karrierebeginn auch die einschlägigen Herrenmagazine angefragt, ob sich die Sängerin fotografieren lasse. Die Band habe stattdessen Keyboarder Jean-Michel Tourette angeboten. "Im Feinripp oder auch ohne - aber das wurde abgelehnt", erzählt Holofernes. Ein sehr rührendes Angebot sei von einer jungen Frau gekommen: Sie schlug vor, Holofernes in der Schwangerschaft zu vertreten. "Wir haben uns dann entschlossen, das Konzept Wir sind Helden auch in dieser Notlage nicht zu verwässern", sagt die Sängerin.
Die Band legt in dem Buch auch ein Geständnis ab: Die als das "gute Gewissen des deutschen Pops" bezeichneten Helden haben einmal gelogen. In ihrer Anfangszeit wurden sie als Vorband für Nena angefragt, doch Keyboarder Tourette konnte an dem Tag nicht. "Wir haben in das Tour-Tagebuch geschrieben, er war krank, und das kräftig ausgeschmückt", erzählt Holofernes. In Wirklichkeit habe Jean-Michel einen guten Freund nicht hängenlassen wollen, dem er versprochen hatte, bei seinem Abschlusskonzert an der Musikhochschule zu spielen. Die Band habe dann mit einem Ersatzkeyboarder gespielt.
Eine lässliche Sünde.
Simone Utler, AP
"Wir sind Helden", Fischer Verlag, 12,95 Euro
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