Lewis Trondheim ist einer der aktivsten Comiczeichner der Gegenwart. Jährlich erscheinen mehrere neue Bücher von ihm, darunter sein Fantasy-Mega-Epos "Donjon", von dem 300 Bände geplant sind, Kindercomics und surreale Comicstrip-Experiment. 2004 verordnete sich dieser produktive Geist, der 14 Jahre lang nur Comics gemacht hat, selbst eine Auszeit vom Zeichnen. Aber so ganz glückt das natürlich nicht. "Außer Dienst" ist das gezeichnete Tagebuch eines versuchten Nichtstuns.
Dieser Widerspruch in sich ist nicht der einzige Reiz des Buches. In seinen Aufzeichnungen geht Trondheim der Frage nach, wie man als Comiczeichner in Würde altern kann. Dazu kontaktiert er, selbst nur wenige Monate vor seinem vierzigsten Geburtstag, diverse befreundete Zeichner, verehrte Altmeister und Kenner des Mediums. Deren Aussagen dokumentiert er, gewissenhaft sogar dann, wenn er zugeben muss, vergessen zu haben, was gesagt wurde.
Ein zu Beginn angelegter roter Faden des Bandes, der Trondheim im fiktiven Dialog mit seinen Lesern zeigt, geht in den Skizzenblättern schnell verloren. Die Zeichnungen entstehen während oder kurz nach den geschilderten Ereignissen. Häufig sind es Landschafts- und Tier-Impressionen ohne Bezug zu den beschriebenen Begegnungen. "Außer Dienst" ist ein ungefilterter Blick in den Alltag, vor allem aber die Denkweise des Künstlers. Die fehlende Narration, die Sprunghaftigkeit des Erzählten, die häufige Diskrepanz zwischen Wort und Bild erzeugen ein Selbstporträt von Trondheim als genialem Neurotiker: sarkastisch, aber ängstlich; begabt, aber einsam. Der Band endet zwei Monate vor Trondheims vierzigstem Geburtstag - als der Zeichner seinen nächsten regulären Comic beginnt. Stefan Pannor
Reprodukt, 80 Seiten, 12 Euro
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