Von Jörg Böckem
Joe Hope, ein Mann mit profunder literarischer Bildung und Erektionsproblemen, arbeitet als Schläger für einen Kredithai. Als seine Frau und Tochter ermordet werden, findet er Unterstützung bei einer Hure, die einen Baseballschläger noch virtuoser einzusetzen versteht als ihren Körper, einem junger Anwalt, der noch Ideale hat und dem Gerechtigkeit wichtiger ist als Gesetz und bei einem zynischen Polizisten. Am Ende bleibt er trotz allem allein.
Ein kleiner Betrüger gerät an einen Koffer voller Heroin und eine betörende Frau. Was zuerst aussieht wie ein großer Glücksfall, entpuppt sich als finstere Bedrohung, nicht nur für Leib und Leben. Zuletzt hat er alles gewonnen und doch verloren. Ein erfolgreicher Geschäftsmann mit Vorliebe für silikonverstärkte Oberweiten verfällt seiner Sekretärin und lässt die störende Ehefrau beseitigen. Ein an den Rollstuhl gefesselter Ex-Knacki und Vietnam-Veteran steigert sich in seinen Hass auf die Menschen und seine Behinderung hinein und versucht, an alte glorreiche Gangsterzeiten anzuknüpfen.
Willkommen in einer Welt, in der die Sonne nur scheint, um tiefe Schatten zu werfen und in den Augen verkaterter, übernächtigter Männer zu brennen. Einer düsteren, brutalen Welt der Ganoven und Huren, in der die scheinbar ehrbaren Bürger moralisch verkommen sind, die Polizisten sowieso. Einer Welt, in der es kein Happy-End und keine strahlenden Helden gibt, und derjenige, der bekommt, was er sich wünscht, sei es Rache, Geld oder die Frau seiner Träume, am Ende dennoch verliert. Eine Welt, die scheinbar nur einen stolpernden Schritt neben der unseren liegt. Willkommen in der Welt von Hard Case Crime.
Mit Lawrence Blocks düsterem Krimi-Klassiker "Abzocker", Allan Guthries "Abschied ohne Küsse", und "Flop" von Ken Bruen und Jason Starr startet der Rotbuch Verlag seine deutsche Ausgabe der hoch gelobten amerikanischen Hardboiled-Serie, versehen mit knalligen, gemalten Titelbildern, die an die Hochzeit der Pulp-Literatur in den fünfziger Jahren erinnern. In Deutschland hängt dem Genre immer noch ein wenig das Etikett der Schundliteratur an, sehr zu Unrecht, wie die drei ersten Bände der Serie eindrucksvoll beweisen: schillernde Charaktere und hochspannende Geschichten, erzählt in einer Sprache, die klingt wie lässig hingeworfen, wunderbar schnoddrige Dialoge und Sätze, kurz und treffend wie ein ordentlicher Faustschlag.
Neben der Pulp Master Reihe, die bis vor zwei Jahren im Maas Verlag erschien und heute als eigenständiger Verlag die Werke von Könnern wie Buddy Giovinazzo und Gary Disher veröffentlicht, eine weitere Serie, die nicht Freunden des Genres höllische Freude bereiten wird.
Allan Guthrie: "Abschied ohne Küsse". Aus dem Englischen von Gerold Hens. 288 Seiten; 9,90 Euro. Ken Bruen/Jason Starr: "Flop". Ken Bruen/Jason Starr: "Flop". Aus dem Englischen von Richard Betzenbichler. 288 Seiten; 9,90 Euro. Lawrence Block: "Abzocker". Aus dem Englischen von Ludwig Nagel. 224 Seiten; 9,90 Euro. Alle Rotbuch Verlag, Hamburg.
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