Prag/Hamburg - Lenka Reinerova war die älteste Autorin in Prag, die auf Deutsch schrieb. Die mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin starb am Freitagnachmittag im Alter von 92 Jahren. Das teilte die Leiterin des Prager Literaturhauses deutschsprachiger Autoren, Lucie Cernohousova, mit.
Autorin Reinerova: Grande Dame der deutschen Literatur in Prag
Reinerova galt als Grande Dame der deutschen Literatur in Prag. Sie war Mitbegründerin des Prager Literaturhauses deutschsprachiger Autoren. Für ihr Schaffen wurde sie 2006 mit dem Bundesverdienstkreuz und 2003 mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet. In Tschechien wurden ihr die tschechische Verdienstmedaille und die Ehrenbürgerwürde von Prag verliehen.
Reinerova wurde 1916 als Tochter einer Deutschböhmin und eines tschechischen Eisenwarenhändlers in Prag geboren. Die Autorin jüdischen Glaubens war unter anderem mit Egon Erwin Kisch und Max Brod befreundet. Zu ihren Publikationen gehören "Närrisches Prag: Ein Bekenntnis", "Das Traumcafé einer Pragerin" und "Es begann in der Melantrichgasse: Erinnerungen an Weiskopf, Kisch, Uhse und die Seghers".
Während der deutschen Besetzung Prags lebte Reinerova in Mexiko im Exil. Nach ihrer Rückkehr in die tschechische Hauptstadt wurde sie wegen "politischer Unzuverlässigkeit" bis 1989 mit Veröffentlichungsverbot belegt.
Noch am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee im Jahre 1945, war im Bundestag eine Rede der Autorin verlesen worden - die Nazis hatten ihre gesamte Familie umgebracht.
"Ihre Worte und die Berichte anderer Opfer des Nationalsozialismus werden uns Mahnung und Verpflichtung sein, die Erinnerung an den von Deutschen begangenen Völkermord wach zu halten und uns weltweit gegen Antisemitismus und Rassenhass einzusetzen", erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier damals.
Reinerova starb in ihrer Wohnung in Prag.
pha/dpa
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