Mit seinem jüngsten, farblich in der Anmutung einer Nivea-Dose gehaltenen Buch will Günther Willen den Rundumschlag wagen und ein Lexikon für alle Lebenslagen anbieten. Über Jahre hinweg hat der Autor Sprüche, Wendungen und Kalauer gesammelt. Auch weniger gepflegte Sentenzen – anders als der Untertitel des Buches verheißt – wurden aufgenommen. Nach Sachgebieten geordnet, sollen Willens Leser immer das passende Wort parat haben. Rhetorische Rundumschläge sind programmiert.
Erschöpfend behandelt werden unter anderem Sexualität und Partnerschaft ("Man ist so jung, wie man sich anfühlt"), Heim und Familie ("Bier gibt keine Rotweinflecken") oder Geld und Finanzen ("Spare in der Schweiz, so hast du in der Not").
Geboren 1954, studierte Willen in Köln und Hamburg. Nach Gelegenheitsjobs begann er mit 32 Jahren zu schreiben. Als freier Journalist stand er bei der "Titanic" und der "taz" auf der Gehaltsliste, arbeitete für die Werbung und das Fernsehen und war von 1988 bis 1993 Redakteur beim Humormagazin "Kowalski" aus dem Semmel Verlach, Heimat der Werner-Comics. Heute lebt Willen als Filmemacher, Herausgeber, Autor und Bibliothekar in Oldenburg.
Weil die Stadt am linken Ufer der Hunte nicht allzu viel Abwechslung bietet, hat der Jäger und Sammler in den Gefilden des deutschen Sprachgebrauchs viel Zeit, um seine bekannten themenbezogenen Sammelsurien zusammenzustellen (z.B. "Alle lieben Beamte", "Alle lieben Ärzte" und zuletzt "Alle lieben Ruhestand").
Im "Niveau"-Buch hat er sich hingebungsvoll der Archivierung von Aufreißersprüchen für Männer und Frauen gewidmet. Kostprobe: "Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick, oder soll ich noch mal an dir vorbeigehen?"
Vervollständigt wird das Buch mit seinen 4000 Sprüchen durch ein Stichwortregister. Wir sind gerührt wie Apfelmus.
Helge Rehbein, buchreport
Günther Willen: "Niveau ist keine Hautcreme" , Ullstein, 6,95 Euro
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