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Comic-Kultautor Frank Miller "Die Griechen hatten Götter, wir haben Supermänner"

2. Teil: "Es ist nicht leicht, in Hollywood einen echten Kerl zu finden"

SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich mit Gabriel Macht für einen relativ unbekannten Schauspieler in der Rolle des Spirit entschieden. Warum?

Miller: Ich wollte ein unbekanntes Gesicht, weil ich niemanden sagen hören wollte: Ah, das neue Tom-Cruise-Vehikel, "The Spirit". Ich wollte es so machen, wie Richard Donner es mit seinen "Superman"-Filmen gemacht hat - ich möchte euch Superman, beziehungsweise Spirit vorstellen. Aber ich brauchte jemanden, der einen Helden spielen kann, und ich sage Ihnen, es ist gar nicht so leicht, in Hollywood einen echten Kerl zu finden. Ich habe Bruce Willis mal gefragt: "Wie machen Sie es nur, dass sie durch die Tür treten und wirken, als seien Sie einen Kopf größer als ich?" Die Antwort war: "Keine Ahnung. Ich mach's einfach." Die Maskulinität eines Helden können nicht viele darstellen.

SPIEGEL ONLINE: Wie definieren Sie Männlichkeit?

Miller: Oh je. Meine ganze Karriere dreht sich um die Antwort auf diese Frage. Es hat etwas mit Selbstvertrauen zu tun, mit der Bereitschaft, Verantwortung für die eigenen Taten zu übernehmen. Und mit einer gewissen Ehrenhaftigkeit. Bruce Willis weiß das besser als ich. Clint Eastwood weiß es viel besser als ich. Schauen Sie sich eine alte Episode von "Rauchende Colts" an, und beobachten Sie James Arness als Marshal Matt Dillon. Das wird Ihnen ein Gefühl für das geben, was ich meine. Es gibt schon einen Grund, warum über diese seltsamen Menschen seit so langer Zeit Geschichten geschrieben werden.

SPIEGEL ONLINE: Comics galten lange als Unterhaltung für Sonderlinge, inzwischen sind sie zur Popkunst gewachsen - auch dank Hollywood …

Miller: Nun, das Ganze reicht ja weit zurück. Schon die Griechen hatten ihre Götter, und wir hatten immer unsere Supermänner - Gollums, Riesen, wie auch immer. Aber die Superhelden unserer Zeit sind ja nicht zuletzt schlechter Druckqualität geschuldet. Comics sind ja Kinder des Zeitungsalters, und sie wurden in einem Druckverfahren hergestellt, das mit Kunstbüchern nicht viel zu tun hat. Damit man also einen vom anderen unterscheiden konnte, mussten sie ihre Logos auf der Brust tragen, und man machte sie heldenhaft, indem man sie in bunte Zirkuskostüme steckte, in denen ihre dicken Muskeln deutlich zu erkennen waren. Inzwischen haben Comics eine ganz andere Bedeutung, sie stehen für einen ausgelassenen, überschwänglichen Blick auf Abenteuer. Schauen Sie sich einen Film wie "Stirb langsam" an - das ist eigentlich ein Comic, wenn auch ohne Strumpfhosen.

SPIEGEL ONLINE: Hollywoods Comic-Verfilmungen scheinen erwachsen zu werden. Gibt es für Sie einen einschneidenden Moment, an dem sich die Filme von reiner Popcorn-Unterhaltung zu tiefsinnigerer Ware wandelten?

Miller: Richard Donners "Superman" in den Siebzigern - denken Sie an den Slogan "You will believe a man can fly!"; oder an den Eröffnungssatz: "This is no Fantasy." Außerdem gehört dazu "Star Wars", ein Film, der das große, freihändige Abenteuer zurück auf die Leinwand brachte. Und natürlich "Indiana Jones".

SPIEGEL ONLINE: Wenn Will Eisner, der 2005 gestorben ist, Ihren Spirit sehen könnte, was würde er wohl sagen?

Miller: Er würde vermutlich murmeln: gute Arbeit, gute Arbeit. Und dann würde er anfangen, mit mir darüber zu diskutieren, dass eine Chirurgin niemals ihr Skalpell in eine Tür werfen würde, weil sie es damit verbiegen könnte. Er war ein sehr spitzfindiger Mann.

Das Interview führte Nina Rehfeld

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