Gerd-Peter Eigner: "Die italienische Begeisterung"
(Kiepenheuer & Witsch, 412 Seiten, 19, 95 Euro)
Zwölf lange Jahre war es still um den deutschen Schriftsteller Gerd-Peter Eigner. Doch das Warten auf seinen fünften Roman "Die italienische Begeisterung" hat sich gelohnt. Denn wer Gefallen an einer Form des Erzählens findet, die ganz ohne Faxen und Anbiederung an den Zeitgeist auskommt, der kommt bei diesem Autor ganz auf seine Kosten. Eigner, der zuletzt die Romane "Mitten entzwei" und "Lichterfahrt mit Gesualdo" vorlegte, erzählt die Geschichte zweier Männer, die einst ein und dieselbe Frau liebten. Da ist der ehemalige Seelotse Rolf Boddensiek, der von seiner Frau Aischa kurz vor deren Tod erfahren muss, dass sie immer nur Bronken, Boddensieks ehemaligen Mitschüler, liebte. Und da ist eben jener Bronken, der "Vertretungsanästhesist", der Zuflucht in Italien gesucht hat vor seinen Erinnerungen an Aischa.
In seinem geschickt gebauten Roman arrangiert Eigner ein spätes Treffen zwischen den beiden in die Jahre gekommenen einstigen Weggefährten – fernab im italienischen Wohnsitz Bronkens. Tastend bewegen sich die beiden aufeinander zu. Bis schließlich die verstorbene Aischa ins Zentrum ihrer Gespräche rückt - und Eigners Buch sich zur Abrechnung zweier Männer steigert, die sich jeder für sich um das Glück ihres Lebens betrogen sehen. Peter Henning
Benedict Wells: "Becks letzter Sommer"
(Diogenes, 450 Seiten, 19, 90 Euro)
450 rasante, herzerfrischende Seiten Prosa aus der Feder eines gerade mal 23-jährigen deutschen Debütanten – wann hat es das zuletzt gegeben? Dem in Berlin lebenden Teufelskerl Benedict Wells jedenfalls ist das Kunststück geglückt, einen Unterhaltungsroman zu schreiben, der sich liest wie ein Mix aus Sven Regener und Leon de Winter. Amüsant versteht es der Youngster, seine Geschichte des schulmüden, einst als Musiker gescheiterten Musiklehrers Robert Beck zu erzählen, der in dem siebzehnjährigen litauischen Gitarrengenie Rauli Kantas ein Geschenk des Himmels zu erkennen glaubt.
Denn Beck, der eine wilde Liaison mit der exzentrischen Lara beginnt und seinen besten, aber ziemlich ramponierten Freund Charlie mit durchschleppen muss, hat einen wilden Plan: als Manager des Saiten-Rastelli Rauli hofft er, an Ruhm und das große Geld zu kommen – und seinem drögen Schulalltag zu entfliehen. Doch weil Wells ein frühreifes Erzählerfrüchtchen ist, ist Becks Weg dorthin – zur Freude des Lesers - mit zahllosen Fallstricken versehen. Peter Henning
Ida Jessen: "Leichtes Spiel"
(Aus dem Dänischen von Angelika Gundlach, Suhrkamp nova, 206 Seiten, 12,90 Euro)
Joachim, der kontaktscheue Vierzigjährige, und Susan, die chaotische alleinerziehende Mutter - sie finden sich. Wollen diesmal ganz sicher gehen: Glück, Schutz, gleich ein gemeinsames Kind. Der zweite Roman von Ida Jessen spielt in Kopenhagen, teilweise in einem Sommerhaus im Wald. Falls was faul sein sollte im Staate Dänemark, dann nicht die Schriftsteller. Die haben sich zu wahren Beziehungsspezialisten, zu Psychovirtuosen herangebildet, mit einem für deutschliterarische Verhältnisse atemberaubend direkten Erzählstil. Die Liebesgeschichte wird aus dem Blickwinkel von Joachim berichtet, bunt, atmosphärisch dicht und fesselnd. In der zweiten Hälfte verwandelt sich die Spannung in Qual. Früh steht fest, wer mit wem das "leichte Spiel" haben, wer triumphieren und wer leiden wird: Stichwort Sorgerecht. Aus der Hand wird man das Buch trotzdem nicht legen. Sehr gut zu lesende Übersetzung. Und ein überraschender Schluss. Sibylle Mulot
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Ich verschlinge alles von John Irving und warte schon sehnsüchtig auf sein neues Buch, das im Mai kommt. Besonders gut udn empfehlenswert: The New Hampshire Hotel Owen Meany The Cider House Rules Genial! mehr...
Übersetzungen sind nie so gut wie das Original, sagt die Binse, und die hat zuweilen doch recht. Ist mir aufgefallen bei den Übersetzungen der Romane von T. C. Boyle. Die sind sogar sehr gut, aber im Deutschen ist es schlicht [...] mehr...
Ach... das ist aber umständlich. Man legt einfach irgend ein Lesezeichen in den Anhang (den Kassenzettel vom letzten Einkauf, die Stellenanzeige, auf die man sich bewerben wollte oder den Wisch mit dem 4-stelligen Zahlencode [...] mehr...
Ja - irgendwie blöd mit den Anhängen, aber oft so hilfreich. Für mich habe ich die Lösung gefunden: ich kopiere den Anhang, mir ist das vor- und zurückblättern einfach zu lästig. mehr...
Jaja, die Übersetzung von Matthias Jendis. Man hat jetzt wirklich schon viele Lobeshymnen drüber gehört, sie ist wirklich von geschliffenem Deutsch und bemüht sich offenbar sehr, den Originalton Melvilles bestmöglich zu [...] mehr...
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