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09.10.2008
 

Ausgezeichnet

J.-M.G. Le Clézio erhält Nobelpreis für Literatur

Zeit, mal wieder einen weniger bekannten Autor zu entdecken: Der Franzose Jean-Marie Gustave Le Clézio erhält die höchste literarische Auszeichnung der Welt. Le Clézio ist berühmt für seine "sinnliche Ekstase", so das Preiskomitee. Und davon kann man bekanntlich nie genug kriegen.

Horace Engdahl wird zufrieden sein. Der Ständige Sekretär des Nobelpreiskomitees für Literatur hatte die amerikanischen Autoren als ignorant und selbstgerecht abgefertigt. Amerika sei "zu isoliert, zu insular".

Quasi vom Rand der Erwartung her ins Rampenlicht: J.-M.G. Le Clézio
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Corbis

Quasi vom Rand der Erwartung her ins Rampenlicht: J.-M.G. Le Clézio

Ob die Literatur Jean-Marie Gustave Le Clézios weltoffener und vielseitiger ist, muss hierzulande wohl noch geklärt werden, in deutschen Buchhandlungen wurden seine Texte bislang jedenfalls mit Zurückhaltung präsentiert. Dies wird sich ändern: Der 1940 in Nizza geborene Franzose hat die prestigeträchtige Auszeichnung erhalten.

Das heißt in Zukunft: Stapelweise das "Protokoll", der 1963 erschienene Debütroman des Autors; Buchberge von "Wüste", dem Prosawerk, mit dem Le Clézio 1980 der endgültige Durchbruch gelang.

Auf die deutschen (und internationalen) Leser kommt Lektürearbeit zu: Le Clézio, der studierte Literaturwissenschaftler und Philosoph, ist nicht Philip Roth und nicht Don DeLillo, die beiden Amerikaner, die man für ihre smarte Kulturkritik im Gewand süffigen Erzählens gern als Preisträger gesehen hätte.

Nobelpreis für Literatur

Alle Literaturnobelpreisträger seit 1901

Der erste Nobelpreis für Literatur wurde 1901 an den französischen Poeten und Philosophen Sully Prudhomme verliehen. Seitdem erhielten den renommierten Preis Autoren und Autorinnen unterschiedlichster Nationen und Kulturen. In den Jahren 1914, 1918, 1935 sowie von 1940 bis 1943 wurde kein Literaturnobelpreis vergeben. Viermal - 1904, 1917, 1966 und 1974 - mussten sich zwei Schriftsteller die Auszeichnung teilen. Zwei Autoren lehnten den Nobelpreis bisher ab. Er wird jeweils am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, in Stockholm überreicht. Hier die Preisträger im Überblick.

Deutschsprachige Literaturnobelpreisträger

Nobelpreisträgerinnen

Warten auf Stockholm

Wer alles leer ausging

Wer den Preis nicht wollte

Le Clézio begann als von der Formkargheit des Noveau Roman inspirierter Autor, der die Entfremdung des urbanen Menschen zum Thema machte. Die Erzählsammlung "Das Fieber" (1965) und "Die Sintflut" (1966) sind solche frühen Studien der Depravation der Moderne. Mit den Romanen "Terra amata" (1967) und "Der Krieg" (1970) profilierte sich Le Clézio auch als Fürsprecher einer von Geschäfts- und Machtinteressen umstellten Ökologie.

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Mit dem 1989 auch auf Deutsch erschienenen Roman "Wüste" wurde der Franzose dann zum Literaturstar, das Werk erhielt unter anderem den Prix Paul Morand, den höchst dotierten Literaturpreis Frankreichs. Das Werk fächert das Drama einer vergehenden Kultur in der nordafrikanischen Wüste auf, kontrastiert mit einer Schilderung Europas aus der Perspektive von Einwanderern.

Le Clézios Prosawerk wird begleitet von essayistischer Arbeit: "L'extase matériell" (1967), "Mydriase" (1973) und "Hai" (1973) sind nur drei Beispiele der umfassenden literarischen Reflexion, die der Autor dem Gegensatz von Natur und Kultur, Politik und Humanität gewidmet hat.

In Deutschland wurde zuletzt der Roman "Revolutionen" (2006) begeistert aufgenommen. Wie andere Titel Le Clézios handelt der Text von der Insel Mauritius im Indischen Ozean.

In dem Text betreibt der Schriftsteller Ahnenforschung - Le Clézio hat bretonische Vorfahren - und stilisiert die Insel zu einem verlorenen Paradies, in dem man den korrupten Zeitläuften fliehen kann.

Noch offen ist allerdings, wie viele Leser sich hierzulande in Le Clézios Texten verlieren werden.

Einer ist auf jeden Fall glücklich: USA-Verächter Engdahl. Zur Auszeichnung des Franzosen erklärte er: "Le Clézio hat ein großes Autorenwerk im klassischen Sinne präsentiert. Mit mehr als 40 Werken steht es ungeheuer stark da." Der Autor schätzt seine Arbeit bescheidener ein. In einem vor der Entscheidung aufgenommenen Interview des schwedischen Fernsehens erklärte er: "Für mich hat immer die Suche nach meiner Identität und meinen Wurzeln eine entscheidende Rolle gespielt. Ich wollte meinen Vater verstehen."

dan/dpa/Reuters

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Das ist das Manko der "großen" Buchhandlungen: Deren Sortiment richtet sich nach streng betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Und die Belegschaft ist angewiesen, nur solche Titel für Kunden zu bestellen, bei denen der [...] mehr...

20.10.2008 von harm ritter:

Ich weiß selbst nicht, wo ich das immer lese: Irgendeine Kritikerin ließ verlauten, Le Clézio hätte den Nobelpreis verdient, weil er sich mit dem großen Thema unserer Zeit beschäftige: Der Existenz des Menschen in der [...] mehr...

17.10.2008 von Shiraz:

Ja, auch wenn das manchmal nicht ganz leicht fällt. Als ich gestern in einer großen Hamburger Buchhandlung war, kam ich spontan auf die Idee, mir einen Le Clezio zuzulegen. Gab es nicht, weder auf deutsch noch auf französisch. [...] mehr...

16.10.2008 von lis:

Kipling hat wirklich noch einige andere Bücher geschrieben ausser dem "Dschungelbuch" (weshalb er eben auch kein Jugendbuchautor ist). Die sind aber vor allem in England bekannt, so wie Le Cléziots offenbar vor allem [...] mehr...

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