17. Oktober 2008
Wenn wäre dann
10.00 Uhr: Mit Arte-Team durch den Vordereingang in die Messe, ZVAB-Tüte für G. Grimsen abholen. Danach Interviews und so weiter. Mittagessen. Dann: Der erlösende Anruf:
Hamburg-Heiner: Arno-Schmidt-Stiftung, Kamerad, Arno-Schmidt-Stiftung. Nicht Gesellschaft! Stiftung! Das ist mir jetzt erst aufgefallen, wenn man nicht alles aufs Gründlichste kontrolliert!
Sven: Ja, tut mir leid.
HH: Stiftung, Kamerad.
Sven: Aber was viel schlimmer ist: Ich finde sie nicht.
HH: Wie, du findest sie nicht?
Sven: Die ASS, nirgendwo. Weg. Was ist da los?
HH: Die haben dein Blog gelesen und dann war Schluß mit lustig. Die haben gleich eingepackt und sind nach Hause gefahren, ist doch klar.
Sven: So wirkmächtig, Kamerad, so wirkmächtig kann ein Blog nicht sein.
HH: Die Arno-Schmidt-Leute, die sind sensibel, die sind scheu!
Sven: Ich dachte erst, die wären jetzt bei Suhrkamp untergekommen, weil da der DKV irgendeine Arno-Schmidt-Sache rausbringt. Schon wenn man irgendwo Arno Schmidt nur liest, ist man ja schon im Alarm.
HH: DKV, ist das nicht was mit Autos?
Sven: Deutscher Klassiker Verlag.
HH: DKV mit Lastwagen gibt’s aber auch.
Sven: Wenn das aber unterschiedliche Geschäftsbereiche sind, dann können auch zwei verschiedene Firmen das gleiche Kürzel benutzen. So wie damals die Bremer Werkzeugmaschinenfirma Klein, Schanzlin und Becker, die hatte gegen den Kommunistischen Studentenbund geklagt und verloren.
HH: Jetzt wird dieses Blog aber wirklich spannend, jetzt werden die wirklich brennenden Themen verhackstückt, jetzt stellt sich ein Gefühl von Relevanz ein, das jeder Beschreibung spottet. Wo ist eigentlich Herr K.?
Sven: Der ist bei Suhrkamp und sorgt für Ordnung.
HH: Wurde auch Zeit!
Sven: Was mir aufgefallen ist: Der Trend zur spekulativen Geschichtsumschreibung ist unaufhaltsam. Und D. Dath rezensiert das Buch von Christian Kracht.
HH: Stark. Wenn das der Trend ist, dann sollte man sich da schnell dranhängen.
Sven: Ja, das Spekulative, das bringt’s.
Sven: Wenn der Stand der Arno-Schmidt-Stiftung wie der Stand von Goldmann wäre, dann würden dort leichtgeschürzte Hostessen Wanderstöcke als Chartpowergimmicks verteilen.
HH: Wenn der Stand der Arno-Schmdit-Stiftung wie der Stand von Dr. Oetker wäre, dann gäbe es dort Erbsensuppe und Korn für alle.
Sven: Wenn der Stand der Arno-Schmidt-Stiftung wie der Stand von S. Fischer wäre, dann wäre dort Roger Willemsen.
HH: Ich muß dann mal.
Sven: Ich auch!
Und so geht ein Tag ins Land: Mit dem guten Gefühl, etwas Gutes zu tun. Oder es jedenfalls versucht zu haben. Oder jedenfalls dabei gewesen zu sein, als es andere versuchten. Oder einen getroffen zu haben, der dabei war.
Was will man mehr?
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH