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10.11.2008
 

Junge Autoren

Lesen bis der Wecker rasselt

Von Tobias Becker

Vom Amateur zum Profi in zwei Tagen: Beim Wettlesen "open mike" in Berlin sucht der Literaturbetrieb neue Stars. Die Sieger touren durch drei Länder. Ein Marsch in die Institutionen.

Die Veranstaltung ist eine Art Deutscher Buchpreis für No-Names, ausgeschrieben von der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation: der "open mike", das wahrscheinlich wichtigste Nachwuchswettlesen im deutschsprachigen Raum. Mitmachen dürfen deutschsprachige Autoren, die nicht älter sind als 35 und noch kein eigenes Buch veröffentlicht haben. Unentdeckte Talente also – und solche, die sich dafür halten. In diesem Jahr schickten mehr als 650 ihre Manuskripte ein: viel Prosa natürlich, aber auch beachtlich viel Lyrik. Sechs Lektoren renommierter Verlage, darunter Rowohlt und Diogenes, trennten die Spreu vom Weizen und wählten 22 Finalisten aus. Am 15. und 16. November treten sie im Berliner Kulturzentrum Wabe gegeneinander an: ein öffentlicher Endspurt ins Autorenleben.

Jeder darf so lange aus seinen Texten lesen, bis ihn das Rasseln eines Weckers unterbricht: exakt 15 Minuten. So lange ist das Mikrofon offen, was denn auch den etwas albernen Namen erklärt, der mehr nach Marketingsprech klingt als nach Spitzenliteratur. Aber, was soll's: Der Berliner "open mike" ist eben so etwas wie der sehr junge, sehr hippe Bruder des Klagenfurter Bachmann-Wettbewerbs. Gesucht: Germany's Next Top-Autor. Vom Amateur zum Profi in zwei Tagen.

In den vergangenen Jahren hat das immer wieder mal geklappt, was ein Blick in die Siegerlisten beweist. Dort findet sich manch heute prominenter Name: Karen Duve und Julia Franck etwa, oder Jochen Schmidt und Tilman Rammstedt. Zwar war auch zu lesen, dass sich die begehrten Branchenvertreter im Publikum vergangenes Jahr etwas rar gemacht hätten. Und dennoch: Einige Verleger, Lektoren und Agenten werden sicher im Berliner Kulturzentrum Wabe sein, um Ausschau zu halten nach Nachwuchs.

Der Ansporn ist also groß, zumal die Jury mit Monika Rinck, Thomas Glavinic und Feridun Zaimoglu prominent besetzt und das Preisgeld üppiger denn je ist: Die drei Gewinner teilen sich 7500 Euro, deutlich mehr als in den Vorjahren. Begleitet von erfahrenen Kollegen gehen sie direkt anschließend auf Lesereise nach Frankfurt am Main, Zürich und Wien. Es ist ein Marsch in die Institutionen des Literaturbetriebs, schnell und ohne Umwege.

Die Wettbewerbstexte der Sieger erscheinen in einer Anthologie des Allitera Verlages ( www.allitera.de), gemeinsam mit denen der unterlegenen Finalisten. Wer es nicht zu einer der Veranstaltungen von "open mike" schafft, kann also auch zu Hause begutachten, wie und was der Literatennachwuchs so schreibt. Ganz in Ruhe, ohne Wecker.


Lesungen der Finalisten: Samstag, 15. November, ab 14 Uhr und Sonntag, 16. November, ab 12 Uhr im Kulturzentrum Wabe, Danziger Straße 101, Berlin-Prenzlauer Berg. Informationen:  Literaturwerkstatt.

Lesereise der Gewinner: Dienstag, 18. November, Literaturhaus Zürich; Mittwoch, 19. November, Literaturhaus Frankfurt am Main; Donnerstag, 20. November, Schauspielhaus Wien; Beginn jeweils 20 Uhr.

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10.11.2008 von mammasehen: ...

Ich sehe das nicht so. Weshalb sollte der "Literaturbetrieb" für die Entscheidungen der Organisatoren des "Open Mike" stehen? Der Literaturbetrieb ist ja wohl etwas mehr und hat damit kaum etwas zu tun, nur [...] mehr...

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