Ankara - Yasar Kemal sagte, er freue sich, dass er den Preis im hohen Alter erhalten habe. Die Türkei dürste nach Frieden, sagte er. Allerdings achteten die Menschen die Schriftsteller immer weniger. Kemal, 85, war am Donnerstag mit der höchsten türkischen Kultur-Auszeichnung geehrt worden, dem Kulturpreis des Präsidenten. An der Zeremonie nahmen neben Staatspräsident Abdullah Gül auch Regierungschef Recep Tayyip Erdogan teil.
Die Auszeichnung Kemals ist ein beachtlicher Vorgang, denn Kemal ist einer der kritischsten Stimmen der Türkei. Selbst kurdischer Abstammung, hat er die Kurdenpolitik der Türkei immer wieder scharf kritisiert. Wegen seines politischen Engagements verbüßte er mehrere Haftstrafen und lebte zeitweise im Exil. Seine Bücher sind in Millionenauflagen erschienen und in mehr als 30 Sprachen übersetzt worden. 1997 hatte er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten.
Kemal hatte nur nach einer längeren Bedenkzeit eingewilligt, den türkischen Kulturpreis anzunehmen. "Dass mir dieser Preis zugesprochen wird, möchte ich als Zeichen dafür sehen, dass politische Standfestigkeit und der Kampf für Frieden und Menschenrechte nicht länger ein Grund zur Ausgrenzung sind und dass sich allmählich ein Weg zum Frieden in unserer Gesellschaft öffnet", erklärte Kemal. "Dass der Preis von der Staatspräsidentschaft verliehen wird, die definitionsgemäß über allen Parteiinteressen stehen muss, stärkt meine Hoffnung."
Der Kampf um Menschenrechte ist dem überzeugten Sozialisten Kemal, der bei einem Messerunfall ein Auge verlor, ebenso wichtig wie der Stellenwert der Literatur. Vor kurzem sagte Kemal in einem Essay für "SPIEGEL SPECIAL": "Die Kunst des Wortes stand immer an der Spitze menschlicher Werte. Eine Gesellschaft spiegelt sich in ihrer Literatur wider. Und weil die Literatur die einflussreichste Kunst ist, muss sie auch den Niedergang in der Gesellschaft bekämpfen. Eine degenerierte Literatur ist das Produkt einer ungesunden Gesellschaft."
Zu den wichtigsten Werken Kemals gehört seine in den fünfziger Jahren begonnene Trilogie über den Räuber Ince Memed (u.a. "Mehmet, mein Falke" 1955). Die Romane gelten als Meilensteine der türkischen Literatur.
bor/dpa
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Literatur | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH