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04.01.2009
 

"Geometrischer Heimatroman"

Schriftsteller Gert Jonke gestorben

Er galt als Sprachspieler und literarisches Multitalent: Gert Jonke prägte die österreichische Gegenwartsliteratur wie wenige andere Schriftsteller. Jetzt ist der Autor im Alter von 62 Jahren gestorben.

Wien - Zuletzt feierte Jonke mit seinen oft grotesken und fantastischen Theaterstücken in Wien Erfolge. Er schrieb dazu Romane, Gedichte, Hörspiele und Drehbücher. Sein erstes Buch, "Geometrischer Heimatroman" machte den am 8. Februar 1946 in Klagenfurt geborenen Schriftsteller mit einem Schlag international bekannt. Der vielfach ausgezeichnete Autor erhielt dreimal den Nestroy-Autorenpreis, zuletzt 2008 für "Freier Fall". Sein letztes erschienenes Buch war eine Sammlung seiner Theatertexte.

Autor Jonke: "Selbstmord interessiert jeden"
AP

Autor Jonke: "Selbstmord interessiert jeden"

"Ein großer Sprachkünstler, einer der größten," würdigte die österreichische Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek den Schriftsteller am Sonntag. "Er hat mit der Sprache gespielt wie ein Kind mit Seifenblasen, aber es war keine Luft in den Blasen, da war ein sehr raffiniertes und genaues Denken drinnen", sagte Jelinek der Presseagentur APA.

Jonke wuchs in seiner Heimatstadt Klagenfurt auf. In Wien studierte er unter anderem Germanistik, Philosophie und Musikwissenschaft. Es folgten Aufenthalte in Berlin und Stuttgart, wo er in der Hörspielabteilung des Süddeutschen Rundfunks arbeitete. Seit 1986 lebte er in Wien und Klagenfurt.

Jonkes Lektorin Angelika Klammer betrachtet seinen 1979 erschienenen Roman "Der ferne Klang" als sein wichtigstes Prosawerk, in dem ein Komponist seinem angeblichen Selbstmordversuch auf die Spur kommen will, an den er sich nicht erinnern kann.

Um dieses Thema ging es auch in seinem prämierten Stück "Der freie Fall", das im Mai 2008 im Wiener Akademietheater uraufgeführt wurde. Ein Mann, der schon zahlreiche absurde Selbstmordversuche hinter sich hat, entwickelt darin eine Methode, andere vom Suizid abzuhalten. "Selbstmord interessiert jeden", sagte Jonke über sein Stück.

Außer dem für die Ruhrtriennale 2005 geschriebenen Stück "Seltsame Sache" über Mozarts Librettist Da Ponte wurden Jonkes Stücke in Deutschland weniger aufgeführt als in Österreich. "Gert kam in seiner Sprache vom Fantastischen, Zauberhaften her," sagte Klammer am Sonntag. "Die Deutschen haben sich wohl mehr auf realistische Stücke eingeschworen."

Jonke starb am Sonntag im Alter von 62 Jahren an einer schweren Krankheit in einer Wiener Klinik.

dan/dpa

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