• Drucken
  • Senden
  • Feedback
19.01.2009
 

Fantasy-Bücher

Irrsinn in der U-Bahn

Von Christoph Dallach

Die Damen Rowling und Funke bekommen literarischen Nachwuchs: Junge russische Autoren wie Sergej Lukianenko und Dmitry Glukhovsky sind die neuen Stars der Fantasy-Szene.

Ein Schriftsteller, der sich ein Mäusepaar hält, das er Mulder und Scully nennt, so wie die beiden Hauptakteure der US-TV-Serie "Akte X", ist wahrscheinlich ein Freund herrlich abstruser Geschichten und hat auch einen gewissen Sinn für Humor. Fest steht, dass Sergej Lukianenko, der Herr dieser Mäuse, der erfolgreichste Russe seiner Zunft ist. Seine "Wächter"-Romane waren in seiner Heimat gewaltige Bestseller, die Verfilmungen Kassenschlager. Selbst hierzulande gingen mehr als 700.000 seiner Bücher weg.

Lukianenkoenko-Buch: Rückkehr zur Erde
Zur Großansicht

Lukianenkoenko-Buch: Rückkehr zur Erde

Kein Wunder, dass nun das nächste Werk des 40-jährigen Kasachen auf Deutsch erscheinen wird. "Die Ritter der vierzig Inseln" ist ein klassisches Fantasy-Abenteuer mit fremden Welten, Rittern und Außerirdischen.

In diesem Fall wird ein Knabe namens Dima von einer russischen Kleinstadt in ein geheimnisvolles Inselreich versetzt, von wo aus er zusehen muss, wie er zur Erde zurückkehrt. Das ist als Idee nur bedingt originell, aber sehr unterhaltsam aufgeschrieben für alle, die grundsätzlich Spaß an solchen Märchen haben.

Überhaupt scheinen die Zeiten für Fantasy-Literaten bestens. Genre-Bücher der Damen Rowling und Funke gehören zu den Super-Hits der Branche, auch Drachen-Romane sind bestens im Rennen. Und zunehmend glänzen junge Russen in der Szene und setzen ihre schöne alte Tradition wunderbarer Märchen, feiner Gespenstergeschichten und ausgeklügelter Science-Fiction-Abenteuer fort. So wie einst Puschkin, Gogol und die Gebrüder Strugatzki, die Lukianenko als seine wichtigsten Vorbilder feiert.

Auf Deutsch erschienen ist nun auch "Metro 2033", das exzellente Debüt seines jungen Genossen Dmitry Glukhovsky. Auch da muss ein Bürschchen eine Reise durchs Unbekannte meistern, muss wilde Abenteuer bestehen, bis er am Ziel ist.

Dabei hat der Autor mit dem Netz der Moskauer U-Bahn ein tolles und originelles Phantasie-Reich geschaffen. Denn nach einem schlimmen Krieg haben sich die letzten Stadtbewohner dort verschanzt und eingerichtet. Jede Station ist ein eigenes Reich, hier die Kommunisten, dort die Faschisten, ja selbst die Zeugen Jehovas haben ihr Revier. Dazwischen, in den Tunneln, lauern Dunkelheit und Horror.

Bei so viel Phantasie und auch Humor irritiert es nicht weiter, dass sich der Autor, der im März auf Lesereise nach Deutschland kommt, für Pressebilder angeblich mit einer Kalaschnikow vor der Brust ablichten ließ.


Bücher Sergej Lukianenko: "Die Ritter der vierzig Inseln". Aus dem Russischen von Matthias Dondel. Heyne Verlag, München; 400 Seiten; 16,95 Euro. Erscheint am 27.2.2009.

Dmitry Glukhovsky: "Metro 2033". Aus dem Russischen von David Drevs. Heyne Verlag, München; 784 Seiten; 14 Euro; Lesereise: 10.3. Hamburg, 11.3. Berlin, 12.3. Leipzig. Den deutschen Text liest Robert Stadlober.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 27 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.01.2009 von maxgil: Na ja

Es ist eher nicht nachvollziehbar, warum ein Buch wie "Feuchtgebiete" auf Platz 1 der Bestsellerliste steht. Gute Fantasy macht einfach Spaß, mir zumindest. Das es sich dabei um keine Weltliteratur sondern um [...] mehr...

25.01.2009 von Perix: Metro

Hallo, ich hab das Buch jetzt zu Ende gelesen und es ist ....... nicht besser geworden Der Held taumelt auch am Ende des Buches weiter in der Metro rum, jetzt allerdings an einem spinnfadendünnen Handlungsstrang. Mit [...] mehr...

23.01.2009 von urbansonnet: apropos u-bahn...

mich erinnert die grundidee eher an neil gaimans "neverwhere". dort ist es zwar die londoner u-bahn und krieg war auch keiner, aber naja...sich bis ins detail "inspirieren lassen" wäre wohl doch zu dreist. ;) mehr...

20.01.2009 von derLou: @Perrix

Das nennt sich "Deus ex machina". Hehe. http://de.wikipedia.org/wiki/Deus_ex_machina mehr...

19.01.2009 von Perixx:

Hallo Forum, ich frage mich ob der Autor des Artikels das Buch überhaupt gelesen hat, oder ob er einfach nur einen vorgegebenen Text vom Verlag kopiert hat. Dieses Metro 2033 mit dem super hippen Autor Glukhovsky wurde [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
alles aus der Rubrik Literatur
alles zum Thema KulturSPIEGEL-Tageskarte Buch

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP