Updike, 76, erlag einer Lungenkrebserkrankung, wie sein Verlag Alfred A. Knopf am Dienstag in New York mitteilte. Updike erhielt für seine Romane, Essays und Gedichtbände zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem zweimal den Pulitzer-Preis, die wichtigste literarische Auszeichnung der USA.
Er galt lange als aussichtsreicher Anwärter für den Literaturnobelpreis - doch er bekam ihn nie. Am Ende glaubte er selbst nicht mehr daran. "Wird ein Autor Jahr für Jahr genannt, löst sein Name bloß noch Gähnen aus", sagte er einmal. Und der deutsche Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki kritisierte schon 1992, vor Updike werde die Königliche Schwedische Akademie sicher noch "irgend jemanden aus dem Sudan finden".
Updike hat mehr als 50 bedeutende Romane und Sammlungen von Kurzgeschichten veröffentlicht, daneben mehrere Sammlungen von Essays und Gedichtbänden.
Seine Themen reichten von Sex, Scheidungen, Abenteuern, Frauenemanzipation, Gesellschaftskritik bis hin zum Baseball. 1989 erschienen seine vielbeachteten Memoiren "Selbst-Bewusstsein". Dort gab er schonungslos Auskunft über sich selbst: über die ärmliche Kindheit in der Provinz des US-Bundesstaates Pennsylvania, die Beziehung der Eltern und seine Krankheiten, eine lästige Schuppenflechte und kindliches Stottern.
Updike galt als einer der profiliertesten und pointiertesten Chronisten des bürgerlichen Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg. Er zeigte – wenngleich auch ein brillanter Essayist und Kritiker, wie er es oftmals im "New Yorker" oder in der "New York Review of Books" unter Beweis stellte – gerade in oftmals poetisch verspielten Schilderungen des Vorstadtlebens seine Meisterschaft als Autor.
Mit satirischer Spitze, aber stets ohne Häme deckte er die großen und kleinen Lebenslügen der US-Mittelschicht auf. Ohne misanthropischen Furor blickte er hinter deren oft allzu glatte Fassaden, fragte nach dem Glücksangebot des amerikanischen (Klein)-Familienmodells und thematisierte die hohlen Sinnversprechen der US-Wohlstandsgesellschaft. Der Protestant Updike selbst war ein regelmäßiger Kirchgänger, wenn auch nicht ohne Zweifel in seinem Glauben.
Regelmäßig schmückte Updikes Name die Bestsellerlisten – weltweit. Zu großem Ruhm gelangte er mit seiner Rabbit-Reihe, die mittlerweile ihren Platz als moderner Klassiker in der Literaturgeschichte gefunden hat. In den Rabbit-Texten erzählte er das Leben des Harry "Rabbit" Angstrom, einer emblematischen Figur aus der amerikanischen Mittelschicht.
Harry "Rabbit" Angstrom, ehemals ein gefeierter Basketball-Hero, zehrt von seinem zu Jugendzeiten erworbenen Ruhm, flieht später als Ehemann und Vater in außereheliche Abenteuer, unternimmt immer wieder auch andere Ausbruchsversuche – und kann seiner von ihm als im Wesentlichen öde empfunden Existenz doch nicht entkommen.
Angstrom begleitete Updikes Leser über vier Romane und eine längere Erzählung – das Werk deckte so schließlich über dreißig Jahre US-amerikanische Gesellschaftsgeschichte ab. Angstrom gilt heute als eine der wichtigsten Figuren der amerikanischen Literatur. Zwei der "Rabbit"-Bücher brachten Updike die Pulitzer-Preise.
Updikes Werke fanden auch in die Populärkultur Eingang, so etwa mit der Verfilmung des allegorischen Gesellschafts- und Emanzipationsromans "Die Hexen von Eastwick" (1984) aus dem Jahr 1987, in der ein Star-Ensemble bestehend aus Cher, Jack Nicholson, Michelle Pfeiffer und Susan Sarandon die Hauptrollen spielten.
Wie auch die Rabbit-Reihe spielten "Die Hexen von Eastwick" in einer amerikanischen Kleinstadt. Updike selbst kannte dieses Milieu nur zu gut – denn es umgab ihn in seinem Alltag. Bereits im Jahr 1957 verließ er New York, in das der junge, viel versprechende Harvard-Absolvent erst kurz zuvor gezogen war und wo er gerade für den "New Yorker" zu schreiben begonnen hatte.
Mit seiner ersten Frau Martha und seinen insgesamt vier Kindern ließ er sich in Ipswich nieder, einem Städtchen nördlich von Boston. Er blieb diesem Amerika, das sein ganzes literarisches Schaffen so maßgeblich beeinflusst hatte, auch bis zu seinem Tode treu – mit seiner zweiten Frau Mary lebte er zuletzt in der Kleinstadt Beverly an der Atlantik-Küste von Massachusetts.
als/tdo/AFP/AP/dpa
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