Von Jörg Böckem
Die Lebensgeschichte des wohl bekanntesten und – sorry, Dietmar Hopp – trotz einiger sehr bedenklichen Charakterzüge sympathischsten Milliardärs ist die ideale Lektüre für jeden, der nichts mehr hören und lesen mag von Wirtschaftskrise, Bankenpleite, Rezession und Abschwung.
"Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden", erstmals in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre auf Deutsch erschienen und jüngst in einer aufwendigen und kommentierten Ausgabe neu aufgelegt, ist ein vergnüglicher und heutzutage beinahe tröstlicher Ausflug in eine Welt, in der das Unwort des Jahres "notleidende Banken" noch nicht erfunden ist, in der Milliarden noch schneller verdient als verloren werden, Heuschrecken höchstens die Ernte bedrohen, Bankiers noch für ihr Vermögen arbeiten und es gegen konkrete Bedrohung wie Hexen, Panzerknacker und raffgierige Konkurrenten verteidigen müssen.
Zu Beginn der neunziger Jahre bekam der amerikanische Comiczeichner und Autor Don Rosa den Auftrag, die Lebensgeschichte von Dagobert Duck in eine stringente Form zu bringen. Der vielleicht facettenreichste Einwohner Entenhausens war 1947 von Carl Barks, dem genialen Entenvater, ersonnen worden. Rosa, wegen seines etwas raueren Strichs bei den Barks-Fans anfangs nicht immer gut gelitten, war selbst glühender Verehrer des Altmeisters. Er suchte in Barks' Geschichten nach Hinweisen auf Dagoberts Lebensgeschichte und ersann auf Basis zahlreicher Details eine Biografie, die Dagobert auf abenteuerlichen Wegen von Schloss Duckenburgh, dem ehemaligen Stammsitz seiner Familie in den schottischen Hochmooren, bis in seinen Entenhausener Geldspeicher führt. Rosa erzählt, wie Dagobert in den Straßen Glasgows als Schuhputzer seinen ersten Zehner verdient, sich auf dem Mississippi als Dampfschiffer verdingt, sich als Cowboy versucht, am Klondike nach Gold schürft und schließlich zum erfolgreichen Unternehmer und Bankier mit erotischer Beziehung zum Geld aufsteigt.
In 20 ausführlich kommentierten Episoden schildert Rosa die Charakterentwicklung Dagoberts emphatisch, hoch unterhaltsam und kenntnisreich; seine Geschichten sind gewürzt mit Anspielungen auf die klassischen Barks-Geschichten und mit Gastauftritten historischer Persönlichkeiten – eine Liebeserklärung an die Figur Dagobert und eine Hommage an deren Schöpfer. Und eine dringend notwendige Imagekampagne für den Milliardär und Bankier an sich.
Comic Don Rosa: "Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden". Ehapa; 496 Seiten; 29,95 Euro.
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die neue Version hat noch zwei Zusatzkapitel mehr...
Die Version habe ich auch im Regal stehen - wollte ich gerade ansprechen. Ich kann diesen Beitrag nur bestätigen. Auch als ambitionierter Comicleser muss ich die Geschichten Rosa's absolut ehren, sein Stil und vor allem die [...] mehr...
...verdammt gute Geschichte, mit Witz, Herz und Liebe zum Detail. Eine empfehlenswete Biographie, auch wenn man sonst keine Comics liest, dieser hier lohnt! mehr...
Bei aller Sympathie für Onkel Dagobert und seiner Cleverness in Finanzangelegenheiten sollten wir aber nicht seinen Neffen Donald vergessen, der uns allen zeigt, wie man auch in schweren Zeiten permanent gut über die Runden kommt. [...] mehr...
Endlich mal ein Geschäftsman bzw. Ente die es schon immer gewußt hat: lieber sein Geld daheim im Tresor oder Speicher und den Versagern in Nadelstreifen mißtrauen. Weiter so Herr Duck. ;-) mehr...
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